Latour
Jeder engagierte Weingenießer sollte sich einmal im Leben ins Médoc aufmachen und die berühmte Route des Châteaux (D2) von Pauillac in Richtung Margaux befahren. Nach den unglaublich prächtigen, schlossartigen Bauten von "Pichon-Longueville-Baron" und "Comtesse de Lalande" taucht auf der linken Seite – man muss das so despektierlich ausdrücken – ein Pförtnerhäuschen auf, das noch nicht mal als Doppelgarage durchgeht. Der Namenszug auf der Sandsteinmauer ist schon leicht verblasst, aber er ist elektrisierend: Château Latour.
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Seit Jahrhunderten: Mehr Sein als Schein
In einiger Entfernung ist zwischen den Reben ein Rundturm zu sehen – das berühmte Symbol eines Weinguts, das ganz offenbar viel mehr auf Sein als auf Schein setzt. Der Erstwein (Grand Vin de Château Latour) wächst ausschließlich in der Lage "l'Enclos" nahe der Gironde, von einer Steinmauer umgeben. Die Reben sind im Durchschnitt 60, manche 100 Jahre alt. Ist eine erkrankt oder zu alt geworden, wird sie aufwändig durch eine Jungpflanze ersetzt.
Rigorose Selektion ergibt monumentale Qualität
Die Selektion bei der Lese und der späteren Verarbeitung gehört zu den rigorosesten im ganzen Bordeaux: Das ist der auch Grund dafür, dass es bei Latour auch in schwierigen Jahren herausragende Weine gibt. Das Weingut wurde bei der Klassifikation von 1855 – naturellement – als Premier Cru Classé geadelt. Ein Grand Vin besteht zu mindestens 90% aus Cabernet Sauvignon, ist extrem langlebig und sollte mindestens 10 bis 15 Jahre vor dem ersten Genuss lagern.