Von Beaune in die Alpilles nach Autun

Ein genussreicher Monat nähert sich seinem Ende. Am 11. Mai 2018 begann der lang ersehnte Frankreich-Urlaub mit dem Mittelpunkt Alpilles. Mit Freunden, insgesamt zu sechst, fuhren wir zu unserem ersten Ziel: Beaune, Hauptstadt des Burgunds. Einer meiner liebsten Orte in Frankreich. Beruflich habe ich mindestens einmal jährlich das Glück, alles was dort das Weinherz höher schlagen lässt, in Reichweite zu haben. Meist steht es genau vor mir, in Gläser gefüllt auf dem Tisch.

Beaune

Unser Hotel in Beaune Les Jardins de Lois kann ich Ihnen nur wärmstens empfehlen, es liegt in Fußweite von der Altstadt entfernt an der Ringstraße, die das Zentrum umrundet. Kaum, dass man den Innenhof des Hotels betritt, ist es ruhig. Ein großer Garten lädt zum Verweilen ein, die fünf Zimmer (ab 160 Euro pro Nacht inkl. Frühstück) sind sehr geräumig, die Betten bequem. Die Gastgeber Anne-Marie und Philippe Dufouleur sind überaus charmant und hilfsbereit. Das Frühstück ist reichhaltig. Sehr gut sind die hausgemachten Konfitüren. Niemand muss abends verdursten, in einem Kühlschrank liegen Weine des eigenen Guts, sowie Champagner zur Selbstbedienung bereit. Bezahlt wird nach Verbrauch.

Den Abend verbrachten wir im Maison du Colombier, einer Gastro-Weinbar unweit der Hospices de Beaune. Ich kenne nur wenige Restaurants im Burgund, die über eine ähnlich große Auswahl an Weinen und Champagnern verfügen, aber keines, in dem man so gerne den Geldbeutel für eine gute Flasche öffnet. Missverstehen Sie mich bitte nicht, die Preise sind nicht niedrig, aber viele Raritäten kann man dort zu internationalen Marktpreisen trinken und mancher gelistete Wein ist auch in gutsortierten Weinhandlungen längst vergriffen.

Ohne mich zu sehr in Details zu verlieren: Wir hatten einen ausdrucksstarken Champagne Agrapart Blanc de Blancs Grand Cru Extra Brut Terroirs, einen sensationellen, mineralisch-frischen, weißen 2014er Saint-Aubin Les Champlots, Pierre-Yves Colin und später einen kraftvoll-fruchtbeladenen 2010er Chateauneuf du Pape Les Quartz von Domaine du Clos du Caillou. Die Auswahl an Speisen im Maison du Colombier beschränkt sich auf zahlreiche kleine Vorspeisen wie Hummus, Salate, Terrinen, Sardinen, diverse Schinken inklusive Iberico. Niemand wird hier verhungern und so schnell auch keiner arm. Man sollte unbedingt reservieren.

St.-Rémy-de-Provence, Alpilles

Am nächsten Tag fuhren wir ca. 400 km weiter in den Süden nach St.-Rémy de Provence. Wir hatten über Fewo-Direkt ein großes Haus mit Pool gebucht. Es heißt Mas Aurélia und liegt knapp 2 km von der Altstadt entfernt sehr ruhig am Rand von Wiesen und Feldern. Alles passte, die Ausstattung ließ keine Wünsche offen, der unbeheizte Pool erfrischend, alles tadellos sauber und sehr gepflegt. Jederzeit würden wir Mas Aurélia wieder buchen, meine Empfehlung ohne jeden Abstrich.

Die Woche verbrachten wir mit einigen Wanderungen in den landschaftlich reizvollen Alpilles. Die Cafés von St.-Rémy kamen auch nicht zu kurz. Den provenzalischen Wochenmarkt am Mittwoch-Vormittag sollte man unbedingt besuchen. Edelste Pralinen und Aufstriche findet man beim vielfach prämierten Joel Durand. Außerhalb von St.-Rémy liegen einige der besten Olivenöl-Produzenten Frankreichs:  Jean Marie Cornille in Maussane und Château d’Estoublon in Fontvieille.

Höhepunkt der Woche in St.-Rémy de Provence war das Dîner im zwei-Sterne-Restaurant L’Oustau de Baumanière in Les Baux. Mit meiner Liebsten war ich bereits 2010 und 2014 dort. Durch ihren Weinkeller von 60.000 Flaschen, der grandiosen Lage in Les Baux und herausragender Küche ist die L’Oustau de Baumanière allein schon eine Reise wert. Allerdings sollte man sich darüber im Klaren sein, dass die Preise ziemlich hoch sind. Menüs für ca. 165 und 205 Euro pro Person. Bei den Weinen wird es ab ca. 100 Euro pro Flasche spannend. Man hätte auch einen 1978er Romanée-Conti für 15.000 Euro bestellen können, aber in dieser Liga werde ich niemals ankommen. Wer sich mit edlen Weinen und Marktpreisen auskennt, wird aber genügend gereifte, rare oder außergewöhnliche Tropfen finden, denen man nicht widerstehen kann.

Unsere Weinauswahl

Wir entschieden uns zum Aperitif für eine Flasche Champagne Billecart Salmon Rosé (130 Euro), seit langem einer der zuverlässigsten und besten Non-Vintage Rosé-Champagner. Zur Vorspeise einen der Top-Weißweine der Region: 2011 Dolia, Domaine de Hauvette, eine im Barrique ausgebaute Cuvée aus  Clairette, Marsanne und Roussanne. Unglaublich dicht, komplex, perfekte innere Harmonie (100 Euro). Später einen roten Burgunder aus dem großen Jahrgang 2002: Pommard Clos des Epeneaux von Comte Armand. Wirklich ein Ausnahme-Pinot Noir, jetzt trinkreif mit Potential für weitere zehn bis 15 Jahre (250 Euro). Zur individuellen Käseauswahl vom Wagen fand ich einen hochkarätigen 2007er Châteauneuf-du-Pape von Clos des Papes. Ein hochspannender Wein, dem man seine 15,2% Vol. überhaupt nicht anmerkte. Seine Frucht ist absolut verführerisch und reintönig, die Tannine reif und stützend. Ein Monument, das sehr lange nachklingt. Ein denkwürdiger Rhône-Wein (250 Euro).

Auf die klassisch provenzalischen Speisen im L’Oustau de Baumanière möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, ich bin kein Gastro-Kritiker und die Geschmäcker sind unterschiedlich. Mich hat bisher jeder der drei Besuche vollends glücklich gemacht. Fest steht, dass der Service sehr aufmerksam und überaus freundlich ist. Das Ambiente rund um das Restaurant ist kaum zu übertreffen, ich hoffe, dass die Bilder einen kleinen Eindruck vermitteln.

Autun

Letzte Station unserer Reise war die Stadt Autun, ca. 50 km westlich von Beaune. Autun kannten wir bisher noch nicht. Der Ort liegt inmitten naturreicher Idylle am Rande des Morvan-Nationalparks und besitzt noch zahlreiche Denkmäler aus der Römerzeit.

Unsere Unterkunft einige Kilometer außerhalb ist eine echte Entdeckung, die sich ideal eignet, wenn Sie Natur, Stille, herzliche Gastfreundschaft, geschmackvolle Einrichtung und gute Küche mögen. Die Moulin Renaudiots wird seit fünf Jahren vom charmanten französisch-englischen Paar Evelyne und Trevor Morgan geführt. Es gibt lediglich fünf große Zimmer, die zwischen 130 und 155 Euro inkl. Frühstück pro Nacht kosten. Sobald acht Gäste im Haus Interesse an einem Abendessen bekunden, zeigt Trevor Morgan seine kreativen, geschmacklich vorzüglich abgestimmten Kochkünste. Nebenbei betreibt er einen kleinen Weinhandel mit ausgesuchten Weinen des Burgunds, hauptsächlich aus der Côte Chalonnaise, so dass zum Essen auch sehr gute Weine serviert werden.

Die Moulin Renaudiots liegt direkt an einem Bach, der blumenreiche Garten ist wunderschön gestaltet und für Abkühlung steht ein kleiner beheizter Pool bereit. Der Urlaub hätte kaum schöner enden können als hier.

 

 

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