Rote Burgunder Jahrgang 2015

Am 25. Juni 2018 haben wir uns dem Jahrgang 2015 im Burgund gewidmet. Inklusive einiger „Piraten“ aus anderen Anbaugebieten standen 22 Rotweine auf dem Tisch.

In Gruppen von mehreren Weinen verkosteten wir die Weine blind. Zwar wusste ich, welche Weine auf der Probeliste standen, aber nicht die Servierfolge.

Hier meine Verkostungsnotizen:

2015 Vosne-Romanée Les Chaumes, Méo-Camuzet

Verführerisch vom ersten Moment an: Veilchen, Blaubeeren, Lavendel, sehr reintönig und ultrafein, setzt vollkommen auf Finesse und Eleganz, feinkörnige Tannine stützen auf den Punkt reife Frucht, seidiges Mundgefühl, ein Pinot Noir zum Verlieben und nicht nur für mich einer der Stars der Probe. Wahre Klasse, hier ist einfach alles im rechten Maß vorhanden und in perfekter Balance. Bravo!

2015 Gevrey-Chambertin Les Jeunes Rois, Duroché

Mein erster Kontakt mit einem Wein dieser Domäne. Deutlich intensiveres Bouquet, Kirsche, etwas Unterholz, das Holz spürbar aber gut integriert. Ebenfalls elegant, die Frucht ausgeprägter, vielleicht insgesamt einen Tick rustikaler, was bei einem Villages-Wein aber normal ist. Klar strukturiert, mineralisch, die Säure verleiht Frische, verdammt guter Burgunder, den möchte ich näher kennenlernen.

2015 Nuits-St.-Georges Clos de la Maréchale, Jacques-Frédéric Mugnier

Momentan zurückhaltender Duft, geprägt von roten und dunklen Beeren, in der Hautsache Kirsche. Braucht unbedingt Zeit und jetzt viel Luft im Glas. Die typische Pinot Noir Süße des großen Jahrgangs ist noch verdeckt, mittlerer Körper, die Säure prägnant. Alle Anlagen für sehr gute Lagerfähigkeit sind vorhanden.

2015 Nuits-St.-Georges Vieilles Vignes, Robert Chevillon

Bouquet leicht laktisch, dazu Pflaume, Lakritz, etwas Holz. Hat Kraft und Saft, mittlerer Körper, eher erdig und rustikaler, dazu eine kleine Bitternote, die aber keineswegs unangenehm ist. Gut gelungener und für Nuits-St.-Georges typischer Villages-Wein.

2015 Morey Saint Denis, Domaine des Lambrays

Offenes, exotisch-verführerisches Bouquet, versprüht eine likörige Süße, Gewürze, dazu Blumen, Orangenblüten. Wirkt würzig, wuchtig, hat viel Frucht, nicht fett, sehr animierender Burgunder, der richtig Freude macht, aber auch durchaus einige Jahre weiterreifen kann.

2015 Chambolle-Musigny, Ghislaine Barthod

Sehr klare Sauerkirschnoten, Gewürze, gut dosierte, kühle, vielschichtige Frucht, rundherum ein herrlicher Burgunder, hat Tiefe, Mineralität, Spannung und dank feiner Säure viel Frische. Superb.

2015 Juliénas, J.J. Vincent

Schon die überaus dunkle Farbe verriet den einzig echten Piraten. Ein Cru aus dem Beaujolais, also ein reinsortiger Gamay. Aus dem Hause Château Fuissé. Eine pure Ladung Frucht, wuchtig, kräuterig-pfeffrig, wirkt trotz 13% Vol. schwerer. Adstringierend und deutliche Rumtopf-Aromen. Setzt auf Kraft und wirkte in dieser Probe wie ein Fremdkörper. Günstigster Wein der Runde, wahrscheinlich haben wir ihm Unrecht getan und er ist besser, als er uns vorkam.

2015 Gevrey-Chambertin Ostréa, Trapet Père & Fils

Anfangs deutlich animalische Stallnoten, die aber erstens nicht unangenehm waren und zweitens an der Luft rasch verflogen. Mittlerer Körper, elegant Braucht definitiv noch Zeit, seine schon ansatzweise erkennbare blaubeerige Frucht und spürbare Mineralität deuten auf einen sehr, sehr guten Villages-Wein hin, der in drei bis fünf Jahren viel Freude machen wird.

2015 Pinot Noir, Gantenbein, Graubünden, Schweiz

Wir hatten auch in den vergangenen Jahren immer Pinot Noir von Gantenbein in der Probe. Stets zuverlässig und von hoher Güte. Diese Flasche 2015er war konträr zu allem, was ich an Pinot Noir mag. Das Bouquet geprägt von aufdringlich speckig-rauchigen Röstaromen, am Gaumen ein opulentes Maß an Süße, wiederum Holz, keinerlei Eleganz. So kann der Wein nicht sein, selbst wenn das nur eine schwierige Phase des sich Findens wäre, das Holz gefällt mir persönlich nicht und wird sich meines Erachtens wahrscheinlich nie einbinden.

2015 Nuits-St.-Georges, Méo-Camuzet

Leicht laktisch, übrigens sehr typisch für Méo-Camuzet-Weine, dazu feine, dunkle Beerenaromen, feine Würze, gut untermalt von dezentem Holzeinsatz. Mittlerer Körper, die Säure spürbar, die Frucht kommt noch nicht voll durch, ist aber in genügender Dosis vorhanden. Sehr gut gemacht und ein Musterbeispiel für Nuits-St.-Georges.

2015 Paterberg Spätburgunder Grosses Gewächs, St. Antony, Rheinhessen

Der Wein präsentiert sich derzeit unruhig und aus der Balance, obwohl alle Anlagen vorhanden sind. Wir werden ihn in einigen Monaten noch einmal verkosten.

2015 Morey-Saint-Denis Très Girard, Hubert Lignier

Rosinige, tolle Blaubeerfrucht, Pflaume, Veilchen, am Gaumen saftig, trinkt sich großartig, aromatisch dicht, elegant, prima Schmelz, ein echter Erfolg, wirklich gut gemacht. Mehr kann man von einem Villages-Wein kaum verlangen.

2015 Frauenberg Spätburgunder Grosses Gewächs, Keller, Rheinhessen

Sehr, sehr feine, süß duftende Pinot Noir Frucht, am Gaumen reife Fruchtaromatik und eine deutlich spürbare Säure, elegant mit viel Spiel, ohne Zweifel burgundischer Stil, superb gemacht.

2015 Volnay Champans, Marquis d’Angerville

Selten, bei Marquis d’Angerville nie zuvor, hatte ich einen so unwiderstehlich klar nach Sauerkirschen duftenden Pinot Noir im Glas. Absolut reintönig und verführerisch hoch drei. Holz nicht spürbar. Am Gaumen wirklich enorm viel, aber ultrafeine Frucht in perfekter Balance mit Säure und Tannin. Ein großer Wein und wahrscheinlich der beste Volnay Champans, den ich je probiert habe. Mehr davon,  bitte!

2015 Chambolle-Musigny, Domaine Dujac

Anfangs eher blumige Noten, Geranie, Schlehe, aber das verflog später zugunsten von dunklen Beeren. Wieder ein Burgunder, der noch etwas verschlossen auftritt, die Säure bestimmt, die Frucht ist noch verdeckt. Später blühte der Wein regelrecht auf und machte gehörig Lust auf mehr.

2015 Pinot Noir Ceras, Antica Terra, Willamette Valley Oregon            

Dunkler in der Farbe. Sehr ansprechende, würzig-mineralische Noten und satte dunkle Beerenfrucht. Deutlich höhere Reife, die dem Wein mehr Kraft verleihen, sehr eigenständig im Charakter. Auf eine gewisse Art modern und doch sehr Terroir-betont. Hervorragend, intensiv anders als Burgund. Antica Terra ist eine kleine Boutique-Winery. Die hochangesehene Weinmacherin Maggie Harrison hat vormals für neun Jahrgänge bei Sine Qua Non gearbeitet. Eine echte Entdeckung.

2015 Vosne-Romanée Clos d’Eugenie, Domaine d’Eugenie

In der Nase leichte Stall-, Röst,- und Kaffeenoten, sehr interessant. Am Gaumen konzentrierter, dicht verwobene Frucht, Brombeer, Heidelbeer. Ausdrucksstarker Körper, Säure. Diese moderne, kraftvolle Burgunder muss seine Balance noch finden, aber an der hohen Qualität besteht kein Zweifel.

2015 Gevrey-Chambertin Clos du Château, Armand Rousseau

Wie in jeder unserer bisherigen „Jungwein”-Burgunderproben ist der Rousseau-Wein der am schwierigsten zu beurteilende Wein. Dufteten die vorhergehenden Jahrgänge allesamt noch kräftig nach Stall, so ist der Clos du Château, den die Domäne erst seit wenigen Jahren bewirtschaftet, einfach nur ziemlich verhalten. Allenfalls zarte Kirschfrucht dringt durch. Die Säure wirkt noch aggressiv, aber das kennen wir aus Erfahrung. Alles nur eine Momentaufnahme. Keine Sorge, auch aus diesem Entlein wird ein eleganter Schwan.

2015 Pinot Noix Ardoise, Daniel Twardowski, Mosel

Im Moment zeigt dieser Top-Spätburgunder seine wuchtige Seite, Tabak, dunkle, reife Beeren. Die feinen Schiefernoten, die wir in den vorhergehenden Jahrgängen so bewundert haben, kommen sicher erst, wenn die Frucht des reichen Jahrgangs 2015 eingebunden ist. Im Moment ist er ein ziemlich kompakter Brocken, der seine Balance sucht. Sehr gutes Potential, im Moment mehr Kraft als Eleganz.

2015 Chambolle-Musigny, Francois Bertheau

Deutliche Rumtopf- und Tee-Aromen, dazu exotische Gewürznoten, am Gaumen etwas überreife Frucht, etwas adstringierend. Entschuldigend muss ich sagen, dass ich mit den Bertheau-Weinen einfach nicht klarkomme. Sie haben viele Anhänger, ich finde einfach keinen Zugang.

2015 Volnay Clos des Chênes, Lucien Le Moine

Vielschichtige, dichte Blaubeer- und Kirschfrucht im Bouquet und auch am Gaumen. Ein saftiger, konzentrierter Premier Cru, moderner Stil, aber doch ein eleganter, nachhaltig und typischer Burgunder. Sehr gut gemacht.

2015 Pinot Noir Willamette Valley, Nicolas & Jay, Oregon

Dezent animalische Noten, aber auch viel rote Beeren, insbesondere Himbeeren. Mittlerer Körper, dicht, saftig, schöner Trinkfluß, feine Säure, elegant und verführerisch. Durch die Handschrift von Jean-Nicolas Méo spürt man das Beste aus dem Burgund in diesem Wein: Finesse, feine Frucht und Charakter.

 

Fazit: Wir haben bewusst keine Grand Crus mit in die Probe genommen, weil diese sicher noch zu verschlossen sind. Die Probe hat die vorherrschende Meinung, dass 2015 ein großer Jahrgangs ist, fast ausnahmslos bestätigt.

Sie können fast alle Weine der Probe in unserem Webshop finden. Einzig die beiden Weine von Marquis d’Angerville und Armand Rousseau sind lediglich limitiert verfügbar.

Mit weinfreundlichen Grüßen

Hans-Jürgen Teßnow und das WeinArt-Team

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One Response to Rote Burgunder Jahrgang 2015

  1. Dominik Weiss says:

    Liebes Weinart-Team
    Einfach superb wie Sie das machen und mit Ihren präzisen Beschreibungen voll meinen Nerv treffen. Wirklich interessant dass auch Sie keinen Zugang zu den Bertheau – und Gantenbein-Weinen finden. Letzterer ist ja seit Jahren völlig überholzt, ein guter Freund von Laurent Ponsot übrigens der neu ja auch eine ganz kommerzielle Schiene fährt (und mit fürchterlichen Etiketten). Bertheau weigert sich ja Ertragsbeschränkung resp. Effeuage zu machen, bestimmt ein wichter Grund dass auch der Chambolle Les Amoureuses 1999 auf der Domaine ganz übel rüberkam. Der Village von Ghislaine Barthod ist immer ein sicherer Wert, den 15er konnte ich noch nicht probieren aber auch der 13er ist eine Meisterleistung. Mit dem Clos de la Maréchal habe ich grosse Mühe. Die Stilistik von Mugnier in seinen Chambolle-Lagen ist schlicht brillant, die Preisentwicklung seit der Maréchal-Übernahme von Faiveley aber einfach irr. Die Güte von diesem Clos hat meiner Meinung nach bestenfalls Village-Qualitäten und 80-90 Euro pro Flasche ist echt ein Hohn. Offenbar ist auch niemend bereit das zu bezahlen, bei uns in der Schweiz ist dieser Wein jedenfalls kistenweise erhältlich.
    Hubert Lignier resp. Morey St. Denis sind leider völlig unterschätzt, für mich aber immer wieder eine grosse Freude auch zu einem guten Preis.
    Genial die Stilistik von Angerville und Chevillon! Schade dass Sie keine 13er von Chevillon mehr im Sortiment haben, der Les Cailles und auch der Vaucrains sind so präzise und lieblich, nichts von Adstringenz und harten NSG-Tanninen. Da würde ich kistenweise nachkaufen.
    Den Pinot von Keller muss ich unbedingt probieren, werde gerne ein paar Flaschen bei Ihnen bestellen.
    Schöne Grüsse aus der Schweiz

    Dominik Weiss

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