Mosel, Saar, Ruwer und edelste Käse zu Gast bei Eva Fricke

Weine180516

 

Am vergangenen Mittwoch, 18. Mai 2016 organisierte ich zusammen mit der Rheingauer Winzerin Eva Fricke eine Probe der besonderen Art. Ich kenne Eva Fricke seit Ende der 1990er Jahre, als sie noch in Geisenheim Weinbau studierte. Bereits damals haben wir regelmäßig zusammen im Freundeskreis interessante Weine aus aller Welt verkostet. Seit 2006 leitet sie erfolgreich ihr eigenes Weingut mit Lagen in Lorch, Lorchhausen und Kiedrich. Aufsteigerin des Jahres, Newcomer des Jahres, die Bestätigung von professioneller Seite reihten sich rasch aneinander. Ihre Weine finden sich auf den Weinkarten etlicher Gourmet-Tempel von Berlin über London bis nach New York. Zur Eröffnung von Eva Frickes neuer Vinothek in der Elisabethenstraße 6 in Eltville stellten wir ihre Rheingauer Gewächse in eine Reihe mit einigen meiner Lieblingsweine von Mosel, Saar und Ruwer.

Hier meine Verkostungsnotizen:

2015 Wisperwind Riesling, Eva Fricke, Rheingau

Unser Aperitif. Ein dezent restsüßer Riesling, der mit seiner überbordenden, jugendlichen Fruchtaromatik enorm trinkanimierend ist. Mit 11,5% Vol. hat er aber auch genügend Substanz, um ihn zu asiatischer Küche einzusetzen.

2015 Lorcher Krone Riesling trocken, Eva Fricke, Rheingau

Ein flüssiges Statement wie gut der Jahrgang 2015 in der Spitze ist. Eva Fricke zeigt hier einen würzig-kraftvollen Riesling, der bei 12,5% aromatisch dicht, vielschichtig, mineralisch und sehr lang ist. Unbedingt dekantieren und am besten im Burgunderglas servieren.

2014 Kupp Grosses Gewächs Riesling trocken, Peter Lauer, Saar

Aus den besten, in der Mitte dieser Ayler Spitzenlage liegenden Parzellen. Bei knapp über 90°Oe gelesen, ist dieser Saar Riesling in jeder Hinsicht vorbildlich. Würzig-reiches Bouquet von Kräutern, Birne, etwas Kokosnuss, Blüten. Präzise und klar strukturiert, ansatzweise tropische Fruchtnoten. Ein  intensiver, lang bleibender Wein, der sicher zwanzig Jahre Entwicklung vor sich hat.

2014 Erdener Treppchen Grosses Gewächs Riesling trocken, Dr. Loosen, Mittelmosel

Inzwischen bin ich ein großer Fan von Ernst Loosens trockenen Spitzen. Auch das Treppchen, zu Recht mit 19/20 Punkten im WeinWisser geadelt, beeindruckt vom ersten Moment an. Spontan vergoren, im 1000 Liter-Fuder für 12 Monate auf der Vollhefe gereift. Feinste Schiefer und Feuersteinnoten, dazu Grapefruit, Birne. Tiefgründig und gleichzeitig verspielt am Gaumen, pikante, aber wunderbar von der Frucht abgepufferte Säure. Wird formidabel reifen, wenn Sie diesem animierenden Riesling lange genug widerstehen können.

2012 Volz Riesling, Van Volxem, Saar

Nahezu in jedem Jahr gehört diese Parzelle mit ca. 60jährigen Reben inmitten des Wiltinger Braunfels zu meinen Lieblingen im Portfolio von Van Volxem. Im Jahr 2012 überzeugt er durch seine enorme Saftigkeit, die Mineralität tritt etwas in den Hintergrund. Am Gaumen etwas Anis, Quitte. Am Gaumen pures, glasklares Riesling-Vergnügen und eine Eleganz, die sich trinken lassen kann.

2012 Maximin Grünhäuser Abtsberg „Superior“ Riesling, Gutsverwaltung C. von Schubert, Ruwer

Seit dem Jahrgang 2005 gibt es aus den besten gesunden Riesling Trauben den Superior.  Mit natürlichen Hefen im klassischen Fuder-Fass durchgegoren, geschmacklich eher Richtung „feinherb“. Im würzigen Bouquet finden sich schwarze Johannisbeeren, Minze. Sehr vielschichtige Frucht, erstaunlich körperreich für lediglich 11%Vol. In der 3 Liter Flasche in jedem Jahrgang ein bevorzugter Kandidat für WeinArt Feiern aller Art.

2015 Lorchhäuser Seligmacher Riesling, Eva Fricke, Rheingau

Der Seligmacher hält Wort, je mehr desto seliger. In Lorchhausen am Ende des Rheingaus enthält der Schieferboden auch Quarzit, teilweise auch kalkhaltiger Löss. Der 2015er wurde erst Mitte Oktober gelesen und glänzt mit animierender, strahlender Frucht. Zarter Schmelz und Würze, feinste Frucht, die bei 11,5% Vol. seine saftige Seite hervorbringt.

2009 Saarburger Rausch Riesling Diabas, Forstmeister Geltz-Zilliken, Saar

Im Jahrgang 2009 wollte ein Fuder, welches für das Grosse Gewächs bestimmt war, nicht durchgären und blieb bei 16 g/l Restzucker stecken. Zur Freude aller Riesling-Genießer entschloss sich Hanno Zilliken, diesen Wein separat abzufüllen. Eine Erfolgsgeschichte nahm ihren Lauf, Weinjournalisten wie Stuart Pigott und die Spezialisten Jean Fisch und David Rayer vom Mosel Fine Wines Magazine schrieben Lobeshymnen. Heute präsentiert sich der Erstling in Hochform, ein rauchig-mineral-würziges Bouquet, Kräuter, Birne, Apfel, Quitte, aber auch Pfeffer und Curry zeigen sich. Der Wein ist in perfekter Balance angelangt, die feine Süße hat sich mit der Säure verbunden, er besitzt eine schöne Länge und der Saar-Charakter tritt deutlich hervor. Hervorragendes Gewächs.

2011 Lorcher Riesling trocken, Eva Fricke, Rheingau

Diese Cuvée aus diversen Lorcher Parzellen hat ihre erste Reife erreicht, durch seinerzeit 20% mit Botrytis befallenen Trauben wirkt der Wein dicht und vielschichtig in der Frucht. Viel Schmelz und guter Körper. Idealer Essensbegleiter, denn auch seine Säure ist schon abgerundet.

2003 Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese ** weiße Kapsel, Markus Molitor, Mittelmosel

Markus Molitor ging 2003 ein sehr hohes Risiko ein, indem er die Lese für diese Auslese ** bis Ende Oktober hinauszögerte. Das zu 100% gesunde Lesegut wurde sanft gemahlen und für mehrere Stunden mazeriert. Danach langsame, sehr kühle Spontanvergärung und Ausbau im Holzfass. Dieser Riesling aus dem extrem hitzereichen Jahr 2003 ist für mich ein Meisterwerk, es ist sensationell, wie dieser Riesling seine für die Region typische Frische bewahrt hat. Sein cremig-würziger Charakter verleugnet den Jahrgang nicht, auch die Säure ist hochreif, aber dennoch jederzeit stützend. Feuerstein, Karamell, Honig, reife Äpfel, Mirabellen, im Duft ein Füllhorn an Aromen. Am Gaumen die notwendige Spannung und eine Komplexität, die fasziniert. Ich freue mich auf die nächsten 20 Jahre mit diesem Wein als Begleiter für die besonderen Riesling-Momente des Lebens.

2006 Graacher Himmelreich Riesling Auslese, Joh. Jos. Prüm, Mittelmosel

Zum Abschluss unserer Probe wollte ich selbstverständlich ein Paradebeispiel der Art Wein zeigen, welche die Mosel berühmt und unnachahmlich gemacht hat. 2006 war ein Achterbahnjahrgang, das Wetter schwankte stets zwischen den Extremen und die Winzer wurden durch Regen Ende September, Anfang Oktober vor größte Herausforderungen gestellt. Die Fachpresse schrieb den Jahrgang umgehend nieder und so lagen auch die besten 2006er anfangs wie Blei in den Regalen der Händler. Wir ließen uns nicht beirren und haben speziell bei Joh. Jos. Prüm große Mengen gekauft.

Heute zehn Jahre bewahrheitet sich, dass 2006 bei Familie Prüm einer der besten Jahrgänge überhaupt geworden ist. Wenn Sie es nicht glauben, probieren Sie diese Himmelreich Auslese. Die Nase fesselt mit absolut reintönigen Fruchtaromen, schwarze Johannisbeeren, Ananas, Aprikose, Waldhonig, dazu getrocknete Kräuter. Die Süße ist betörend, aber nie schwer, eine unglaublich elegante, scheinbar schwerelose Auslese der allerfeinsten Art. Muss man probieren, sonst glaubt man es nicht, wie grandios dieser Wein auftritt.

Es folgte ein weiterer Höhepunkt der Veranstaltung in Form von Käse. Mögen die Weine schon sehr, sehr gut gewesen sein, aber beim Käse gibt es für mich keine Steigerung zu den Schätzen von Affineur Bernard und Jean-Francois Antony aus Vieux-Ferrette im Sundgau. Seit 1983 beliefert Familie Antony die drei-Sterne Gastronomie, nicht nur Frankreichs. Wir von WeinArt sind in der glücklichen Lage, dort einkaufen zu können und diese absoluten Hochgenüsse teilen wir gerne mit unseren Gästen. Demnächst wieder bei unserer WeinArt Hausmesse am 10./11. Juni. Bei Interesse senden wir Ihnen gerne die Anmelde-Unterlagen.

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