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Mission erfolgreich: Christian Bau *** beglückt den Rheingau

Man wirft dem Rheingau nicht ganz zu Unrecht vor, dass die Region sich zu lange auf den Lorbeeren der glorreichen wilhelminischen Ära ausgeruht hat. Im Weinbereich wurde die Spitzenposition spätestens in den 1970er Jahren aufgegeben, bis Wilhelm Weil vom Weingut Robert Weil, gestützt durch umfangreiche Investitionen, Anfang der 1990er Jahre eine qualitative Renaissance einleitete. Für hohe Kochkunst steht parallel das Rheingauer Gourmet Festival, welches 2016 sein 20jähriges Jubiläum feiert. Hans B. Ullrich hat mit dieser Veranstaltungsserie ein Festival der Sinne mit internationaler Strahlkraft ins Leben gerufen. Spitzenwinzer und –köche geben sich ein Stelldichein und so freut sich der wahre Genießer über weinbegleitete kulinarische Glanzlichter in Hülle und Fülle.

WeinArt hat sich dieses Jahr unter anderem mit Champagne Bollinger und den burgundischen Topweingütern Méo-Camuzet und Château Fuissé beteiligt. Für mich war es eine Ehre, Philip Tuinder, den Exportleiter von Château Fuissé, zum Abendessen am 1. März ins Kronenschlösschen zu begleiten. Am Herd stand Küchenchef Christian Bau von „Victor’s Fine Dining“in Perl-Nennig. Seit 2005 ist er mit drei Michelin-Sternen geadelt. Mit einer Brigade von neun Köchen trat er die Reise in den Rheingau an.

Gerne erinnere ich mich an einen Besuch in seinem Restaurant vor einigen Jahren: Eine unvergessliche Gourmet-Reise von Frankreich nach Japan. So konnte ich das Wiedersehen und –schmecken kaum erwarten.

Das Gala-Diner wurde moderiert von August F. Winkler, seit Jahrzehnten bekannt als Connaisseur par Excellence, Gentleman alter Schule und leidenschaftlicher Genießer. Niemand sonst im deutschen Sprachraum verfügt über einen so reichhaltigen Schatz an Zitaten zum Thema Essen und Wein und kann zudem noch so poetisch, charmant und unterhaltsam darüber referieren. Wein, Essen und August F. Winkler bildeten auch an diesem Abend einen perfekten Dreiklang.

Am Tisch angekommen war ich zunächst etwas erschrocken, die Plätze ziemlich eng eingedeckt, reichlich Besteck, neun Weingläser, ein Champagner- und ein Wasserglas vor der Nase. Eigentlich meide ich Veranstaltungen, bei denen man dicht gedrängt sitzt und es oft auch zu laut ist. Der Champagner war bereits eingeschenkt, ein Piper-Heidsieck, der nahezu unterging, denn wenig später kam der zweite Aperitif hinzu: Ein glasklar-mineralisch-leichter 2010er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Kabinett von Markus Molitor. Knackige Säure, feine Süße. Im Sommer auf der Terrasse wäre eine Flasche davon zu zweit sicher in 15 Minuten geleert. Unwiderstehlich lecker. Die Amuse Bouche Häppchen bestanden aus rohem Gelbflossen-Thunfisch, Cumbawa (Kaffir-Limette), Gurke und schwarzem Reisessig. Köstlich.

Erster Gang:Erinnerung an Japan“, Hamachi (Gelbschwanz-Makrele), Meeresfrüchte und Ponzu-Sauce (aus Soja/Zitrone).

Selten qualitativ so guten, rohen Fisch gehabt, von den beiden Weinen passte mir die delikat-feste 2010er Schloss Lieser Riesling Spätlese trocken besser als der noch unentwickelte, aber mit strahlender Frucht ausgestattete 2014er Brauneberger Riesling QbA trocken vom Weingut Fritz Haag.

Zweiter Gang: Heilbutt und BBQ Aal, japanische Aubergine, Ladyfingers, Kojyu-Vinaigrette.

Der rohe Heilbutt war sensationell zu „unserem“ elegant-vielschichtigem 2011er Pouilly-Fuissé Vieilles Vignes, Château Fuissé, während die kleinen Aal-Stückchen und die Aubergine besser zur mineralisch-komplexen 2007er Zeltinger Sonnenuhr Riesling Auslese** trocken von Markus Molitor harmonierten.

Dritter Gang: Taube von „Theo Kieffer“, Schwarzwurzel in Sake, rote Bete, Purple Curry.

Es gibt Speisen, die ich niemals bestelle und stets meide, wenn ich kann: Taube. Weder mag ich den Geschmack, noch kann ich diese Vögel leiden. Nun gut. Wenig später kam der wie alle Gänge an diesem Abend kunstvoll dekorierte Teller, appetitlichste Düfte zogen mir in die Nase und ehe ich mich versah, hatte ich alles verputzt. Der Geschmack der dunkelroten Taubenstücke erinnerte mich an bestes Reh-Filet, das zartfaserige Flügelstück an Enten-Confit. Ich war begeistert. Begleitet von einem reifen 2003er Château Haut Batailley, Pauillac, der die Hitze des Jahrgangs kaum spüren ließ  und seinem Pendant aus dem großen, noch etwas Zeit benötigenden 2005er. Gute Wahl, alle beide, wenngleich der 2003er ohne Essen etwas spröde wirkte.

Vierter Gang: US-Prime-Beef², Mais, Zwiebelchen, Trüffel.

Irgendwie war mir das dritte Messer am Tisch abhanden gekommen, aber das Steak war so zart, dass ich es mit dem kleinen Brotmesser schneiden konnte. Mein Tischnachbar Francois-Xavier Borie, Besitzer der Châteaux Haut Batailley und Grand Puy Lacoste aus dem Pauillac, hatte zwei große Jahrgänge von Letzterem aus der Château-Reserve geholt, um das Beef zu begleiten. Der ausgezeichnete 1995er wurde aus der Magnum ausgeschenkt, nebenan der hoch bewertete 2000er. Beide Weine hätten sicher profitiert, falls man sie dekantiert hätte, aber das ist in so großem Rahmen nicht machbar. Pauillac wie aus dem Bilderbuch, charaktervoll und tiefgründig fest.

Fünfter und letzter Gang: „Souvenir aus Asien“ Pan Dan, Nashi-Birne, Ingwer.

Optisch eine Augenweide, geschmacklich intensiv und keineswegs zu süß. Beide Weine waren gut gewählt: Eine jugendlich-frische 2012er Brauneberger Juffer-Sonnenuhr Riesling Spätlese von Fritz Haag und eine mächtige, von edelster Botrytis geprägte 2006er Niederberg Helden Riesling Beerenauslese von Schloss Lieser.

Fazit: Das abwechslungsreiche, genial komponierte Menü war in jeder Hinsicht auf allerhöchstem Niveau, ohne jeden Abstrich. Christian Bau, der in seiner Ansprache zu Beginn des Abends davon sprach, dass es seine Credo sei, Menschen glücklich zu machen, ist genau das bei geschätzt 100 Gästen perfekt gelungen. Eine küchentechnische Meisterleistung, zu deren Gelingen auch die aufmerksame Service-Crew des Kronenschlösschens beitrug. Es gab keine unnötigen Wartezeiten, alles war in Balance. Mein allerherzlichster Dank gilt Christian Bau und seinem Team, Herrn Ullrich für die gesamte Planung und Organisation, den Winzern für die durch die Bank köstlichen Weinmomente und nicht zuletzt an Herrn Winkler, der dieser besonderen Veranstaltung sprachlich einen würdigen Rahmen gab. Möge uns das Rheingauer Gourmet Festival noch lange erhalten bleiben.