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L'Oustau de Baumanière – Ein Abend voller Sterne

Als wir uns entschieden, wieder in Saint-Rémy-de-Provence Urlaub zu machen, dachten wir mit großer Vorfreude auch an das Restaurant L’Oustau de Baumanière in Les Baux. 2010 hatten wir es zum ersten Mal besucht. Jeder Mensch findet im Laufe seines Lebens gewiss einige Lieblingsorte, an die er immer wieder zurückkehren möchte. Die Hotelanlage L’Oustau de Baumanière hat eine magische Anziehungskraft, das spürten wir vom ersten Moment an.

Die Hauptgebäude schmiegen sich unterhalb der eindrucksvollen Burg von Les Baux direkt an die Felsen. Anfangs saßen wir auf der Terrasse des Restaurants. Der Blick von dort in das umliegende Felsmassiv der Alpilles und in die Weite des Tals ist atemberaubend. Von der Abendsonne gewärmt und durch die Eindrücke um uns herum von Glückshormonen durchflutet, genossen wir an jenem Dienstag im September 2014 entspannt die Champagner Hausmarke. Ein elegant anregender Blanc de Blancs aus Avize. (16 Euro pro Glas). Nebenbei studierten wir die Speisenkarten und probierten die ersten drei Amuse-Gueule Köstlichkeiten. Die Sonne sank langsam und eine hochwillkommene zeitlang später wurden wir zu Tisch gebeten. Wir hätten noch Stunden einfach nur auf der Terrasse sitzen können, Champagner trinkend auf Mond und Sterne warten, aber es war uns bewusst, dass Aperitif und Appetithäppchen lediglich den Auftakt zu einem genussreichen Abend darstellten.

Unser Tisch lag zentral mit Sicht auf die Terrasse, das Restaurant füllte sich zusehends, was der ruhigen, äußerst angenehmen Atmosphäre keinen Abbruch tat. Der aufmerksame Service vorbildlich. Die Speisenkarte führt drei Menüs zwischen 135 und 199 Euro pro Person auf, ersteres ist vegetarisch. Wir entschieden uns für das Fünf-Gang-Menü „Tradition/Evolution“ (166 Euro pro Person), welches einige generationsübergreifende Klassiker des Hauses beinhaltet.

Der Weinkeller der L’Oustau de Baumanière ist einzigartig. 60.000 Flaschen sind im Bestand, den meisten Weinen wird in einem Felsenkeller unter perfekten Bedingungen ausreichend Reifezeit gegönnt, bevor sie auf der Karte gelistet werden. Leider sind die Weinpreise teilweise exorbitant hoch und weit außerhalb unseres Budgets. Glücklicherweise kenne ich mich mit Preisen gut aus. Es finden sich auch zahlreiche exzellente, nicht so im Fokus stehende südfranzösische Weine zu akzeptablen Preisen.

Zur Vorspeise nahmen wir eine halbe Flasche 2011 Clos Val Bruyère, ein weißer Cassis AOC von Château Barbanau (30 Euro). Herrliche, ausdrucksstarke Frucht, im Bouquet Zitrone, Jasmin, Ananas, am Gaumen sehr ausgewogenes Verhältnis von Säure und Frucht. Perfekt zu den ersten beiden Gängen:

Taschenkrebs (Tourteau) mit Broccoli, Gurke, Yoghurt, Minze und Koriander. Grandioses Gericht, welches strahlend klar den Eigengeschmack der Zutaten betonte und trotzdem ein einzigartig harmonisches Geschmacksbild zauberte.

Es folgte Rote Meerbarbe (Rouget Barbet) mit Tomate, Basilikum, Thymianblüten und lauwarmer Vinaigrette mit herben Kräutern. Der Fisch auf den Punkt gegart, die Kombination wiederum wunderbar stimmig.

Der Hauptgang Kalbsbries, im Bratentopf gegart, mit Frikassee aus kleinen Pfifferlingen war mit Abstand das Beste, was ich je hatte. Ein einziges, wirklich großes Stück Bries, in einer sämig-würzigen Sauce, für die mir kein besseres Wort als himmlisch einfällt. Chefsommelier Gilles Ozzello war mir bei der Auswahl aus drei Jahrgängen der Domaine Hauvette aus Saint-Rémy behilflich. Mit dem 2007er Cornaline (85 Euro), Les Baux de Provence AOC lag er goldrichtig. Die Cuvée aus 50% Grenache, 30% Syrah und 20% Cabernet Sauvignon erinnerte im Duft an einen Chateau de Beaucastel: Etwas Heu, Honig, Würze, reife dunkle Beeren, am Gaumen kraftvolle Harmonie, exzellente Spannung, langer Nachhall. Ein großer Wein, der mit der Süße der Kalbsbries Sauce prima zurechtkam.

Die nachfolgende Auswahl an gereiftem Käse ließ ebenfalls keine Wünsche offen. Letzter Höhepunkt das Dessert: Millefeuille „Tradition Baumanière“, leichte Crème mit Tahiti Vanille, Florentiner Pistazien, dazu mit Fleur de Sel gewürztes Karamell Eis. Optisch und geschmacklich ein Gedicht.

Fazit: L’Oustau de Baumanière ist ein teures Vergnügen, aber wir haben weder 2010 noch jetzt auch nur einen Cent bereut. Das luxuriöse Hotel haben wir nicht kennengelernt, es ist deutlich oberhalb unserer Preisklasse. Wir bevorzugen es, eine schöne Ferienwohnung zu nehmen und besuchen lediglich das Restaurant. Die Lage könnte besser nicht sein und ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Die Art von Wohlbefinden, die sich einstellt, wenn man auf der Terrasse sitzt und Champagner  trinkt, ist unvergesslich und allein schon deshalb werden wir eines hoffentlich nicht allzu fernen Tages wiederkommen. Das Restaurant hat zwei Sterne im Guide Michelin, wir empfanden es einem dritten Stern würdig.

Noch ein Tipp zum Schluss: Wenn Sie außerhalb übernachten und vernünftigerweise abends nicht mehr mit dem eigenen Auto zurückfahren möchten, so organisieren Sie sich lieber vorher ein Taxi für die Rückfahrt. Wir sind zwar mit dem Taxi von Saint-Rémy-de-Provence nach Les Baux gekommen, ca. 10 km, ca. 25 Euro, aber am späteren Abend konnte das Restaurant partout kein Taxi zurück für uns auftreiben. Wir hatten das Glück, dass uns nach Dienstschluss der Restaurantfachmann, der uns während des Abends erstklassig betreute, mit seinem Wagen mitnahm. Das ist wahrer Service, zumal er bei sternenklarer Nacht eine alternative, kurvige Route durch die Alpilles nahm, damit wir zum Abschied noch einmal den Blick von oben auf Les Baux genießen konnten. Merci beaucoup!                                                              

Hans-Jürgen Teßnow
Hans-Jürgen Teßnow