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Legende Geisberg – Der steinige Weg zurück zum Ruhm

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Können Sie sich vorstellen, dass ein Weinberg, der Jahr für Jahr Weine hervorbringt, die auf Versteigerungen Höchstpreise erzielen, in Vergessenheit gerät und heute brach liegt?
So geschehen mit dem Ockfener Geisberg an der Saar. Um die Wende zum 20. Jahrhundert waren Weine aus dem Geisberg ebenso begehrt wie die aus dem Scharzhofberg. In den Preislisten der kaiserlichen Hoflieferanten und auf den Weinkarten der führenden Restaurants kostete eine Flasche Geisberg etwa dreimal so viel wie ein Lafite oder ein Margaux.
Das Kaiserreich ging unter, zwei Weltkriege fügten dem Ansehen Deutschlands und leider auch dem Weltruf von Rhein- und Moselweinen unermesslichen Schaden zu. Der Geisberg wurde zwar noch bis in die 1990er Jahre bewirtschaftet, aber keines der Weingüter, das Parzellen im Geisberg besaß, konnte die Ausnahmestellung der Lage qualitativ untermauern.

Was macht den Geisberg so besonders? Die Lage ist eine reine Südlage, der Boden besonders reich an Quarzit, Diabas (basaltisches Gestein subvulkanischen Ursprungs) und natürlich Schiefer, welche den Weinen ihren besonderen Charakter verleihen. Klimatisch ist der Geisberg kühl, es heißt, dass man früher in minderen Jahren selbst zur Lese noch mit den Geisberg Beeren Murmeln spielen konnte und sich zur Lese in Skianzüge hüllte. Bekanntlich hat sich das Klima seither gewandelt, einstmals zu kühle Lagen werden in Zukunft frischere, rassigere Weine hervorbringen als die heutigen Toplagen. Der Geisberg, welcher alleinstehend im Hinterland liegt, hat alle Anlagen zukünftig die „Saar de la Saar“ zu bilden.
Roman Niewodniczanski vom Weingut Van Volxem und Markus Molitor, zwei der innovativsten und führenden Winzer der Region, werden die Legende wiederbeleben. Beide sind bekannt dafür, das Potential alter Weinberge präzise einschätzen zu können. Man kann sich niemand besseren für dieses auf Generationen angelegte Projekt vorstellen. Roman verbringt nebenbei endlose Stunden in Archiven, ebenso akribisch wie er auf die Qualität in seinen Weinbergen bedacht ist, so intensiv durchforstet er alte Dokumente und Archive. Kaum eine Kapazität verfügt über einen vergleichsweise so detaillierten Wissensschatz rund um historischen Weinbau an Mosel und Saar.

Ich möchte die an Kapriolen, Kuriositäten und Streitigkeiten überaus reiche Geschichte nicht allzu sehr vertiefen, aber eins steht schon jetzt fest: Der Geisberg wird eines Tages wieder erblühen, auch wenn jetzt die eine oder andere Mauer-Eidechse umziehen muss.

Roman Niewodniczanski und Markus Molitor schieben gerade eines der aufwendigsten und spannendsten Weinbau-Projekte weltweit an, sie sind dabei, der ruhmreichen Geschichte der Saar ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Wir freuen uns auf die Jungfernweine, die wenn alles gut geht, mit dem Jahrgang 2019 oder 2020 die Gaumen der Riesling-Liebhaber verzücken werden.

Einen Eindruck über das Geisberg Potential vermittelte uns eine Flasche 1941er Ockfener Geisberger vom Weingut Gebert. Diese Flasche aus unserem Bestand, bereits einmal professionell umgekorkt, war schlichtweg grandios: Klare Feuersteinnoten, getrocknete Aprikosen, Anklänge von Ingwer, am Gaumen absolut trocken, sehr würzig, feines Säuregerüst, im Glas stabil wie eine Eins, keinerlei negative Oxidation schmeckbar, gute Länge. 1941 war kein großer Jahrgang, diesem Wein fehlte es aber an nichts. Ein denkwürdiges Erlebnis.