La Ferme de Marie-Eugénie, Bruailles

La Ferme de Marie-Eugénie
225, allée de Chardenoux
F-71500 Bruailles
Tel.: 0033-3.85.74.81.84
info@lafermedemarieeugenie.fr
www.lafermedemarieeugenie.fr

LaFermeDeMarieEugenie1k

Um den langen Rückweg aus Südfrankreich und den stets etwas traurig machenden Abschied aus La France angenehmer zu gestalten, legten wir noch ein Wochenende im südlichen Burgund ein. La Ferme de Marie-Eugénie ist ein liebevoll restaurierter ehemaliger Bauernhof aus dem 18. Jahrhundert. Er liegt unweit der Bresse und Jura-Region, auf dem 46. Breitengrad in Höhe von Tournus im Burgund. Seit acht Jahren bieten Marie-Eugénie und ihr Mann Gästen eine in jeder Hinsicht besondere Herberge. Abgesehen von einem Zimmermädchen führen die beiden das Maison d’Hôtes in Alleinregie. Marie-Eugénie nahm uns gleich herzlich in Empfang, sie strahlt pure Lebensfreude aus, lacht viel, plaudert gern und hat eine Leidenschaft fürs Kochen, doch davon später mehr.

Stellen Sie sich eine Postkarten-Idylle von einem Hof vor. Umgeben von einem Weizenfeld, grünen Wiesen und baumreichen Wäldern, an den Gebäuden ranken sich vielerlei Pflanzen hoch, überall bunte Blumen, eine zutrauliche Katze. Wir sind angekommen. Jeglicher Stress fällt wie Putz von alten Wänden einfach ab. Nur noch ein kurzer Weg vom Parkplatz ums Gehöft herum, um die Koffer ins Zimmer zu bringen. Ein erstes Mal kurz aufs Bett werfen. Außer zirpenden Zikaden absolute Stille. Herrlich.

Ein kurzer Überblick: Das Bad ist nicht übermäßig groß und hat eine Schräge. Das Bett sehr bequem. Ein Fernseher so klein, als wollte er sagen: Mich brauchst Du hier nicht. Sämtliche Fenster in den Zimmern haben praktischerweise Fliegengitter. Eine Klimaanlage gibt es nicht, würde aber auch gar nicht zum Gesamtbild passen. Unkompliziertes Landleben, frische Luft, persönliche Nähe in der Abgeschiedenheit. Das zählt hier.

Man lernt sich rasch kennen, spätestens beim gemeinsamen Aperitif abends gegen halb acht im Garten. Bei Bourgogne Aligoté, Kir oder einem Rosé aus dem Jura, begleitet von Häppchen aus Marie-Eugénies Küche, sitzt man in der Runde und treibt auf Französisch ein wenig Konversation. Für mich war es anfangs schwer, wieder in die Feinheiten des Französischen hinein zu finden. Bald aber konnte ich deutliche Unterschiede hören, beispielsweise zwischen Belgiern aus Flandern und denen aus Wallonien. Am zweiten Tag verstand ich sogar einige von den komischen Anekdoten, welche die schnell sprechende Marie-Eugénie zum Besten gab.

Gegessen wird gemeinsam an einer runden Tafel, Marie-Eugénie kocht grandios auf, während sich ihr Mann vorwiegend um den Service kümmert. Vier Gänge, inklusive einer formidablen Auswahl perfekt gereifter Käse der Regionen Burgund und Jura. Der Stil der Küche ist ländlich-schmackhaft-deftig. Von allem reichlich. Am zweiten Abend servierte Marie-Eugénie beispielsweise ein fantastisches Poulet-de-Bresse aus dem Ofen, begleitet von Schalotten, Knoblauch und angebratenen Kartoffeln. So ganz nach meinem Geschmack war auch die dreiseitige Weinliste, sehr gut zusammengestellt, beispielsweise mit Meursaults von Francois Mikulski und Rotweinen der Domaine Besson aus Givry, die ich bis dahin nicht kannte. Am ersten Abend ein höchst eleganter 2013er Givry 1er Cru Le Petit Prétan aus der Magnum. Er war gerade in seiner Fruchtphase und schön ausbalanciert. Zum Poulet wählten wir einen 2012er Beaune 1er Cru Les Champs-Piment. Der große Jahrgang machte sich bemerkbar, anfangs fest und undurchdringlich, mit zunehmender Dauer im Glas und später zum Käse ausdrucksstark und lang bleibend.

Das Frühstück ist nicht minder beeindruckend, ein halbes Dutzend hausgemachte Marmeladen (la vie est dure sans confiture), reichlich frisches Obst, frisch gepresster Orangensaft, Pfannkuchen, Joghurt, Käse, Müsli. Ordentlich gestärkt ist man gleich bereit für eine Wanderung oder reif für ein gutes Buch in einem der Liegestühle im Garten, chacun à son goût. Möglichkeiten zu Wanderungen gibt es reichlich, allerdings sollte man eine Wanderkarte der Region haben und auch in der Saison an den Insektenschutz denken. In den Wäldern gibt es nämlich größere Teiche, ideale Brutstätten für hungrige Vampire. Eigentlich wollte ich vor dem zweiten Abend eine Stunde locker durch die Wälder laufen, um mir gesunden Appetit für kommende Köstlichkeiten zu holen, stattdessen galt es schneller zu rennen als die Bremsen fliegen.

In der Umgebung gibt es genügend sehenswerte Ziele: Louhans ist nur wenige Kilometer entfernt, hat eine hübsche Altstadt und liegt dort wo sich die Flüsse Seille, Vallière und Solnan treffen. Tournus ist ebenfalls reizvoll. Normalerweise werden Sie nach dem Erstkontakt mit Marie-Eugénies Kochkunst keine Lust auf zusätzliche Spitzengastronomie verspüren, bei Bedarf bietet Tournus derzeit vier Restaurants mit einem Michelin-Stern.

Fazit: La Ferme de Marie-Eugénie ist ideal für Gäste, die einerseits Natur und Ruhe suchen, aber gerne auch interessante Menschen aus ganz Europa kennenlernen. Wir fanden diese Kombination aus Landleben, französischer Lebensart mit all ihren Genüssen und persönlicher Nähe wunderbar. Marie-Eugénie und ihr Mann sind perfekte Gastgeber, so dass wir jederzeit gerne wiederkommen würden.

 

 

Verfasst Allgemein, Tags: , , , , , , .

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.