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Jerusalem – Das Herz Israels

Stadtmauer Notre Dame de France

Wie bereits im Bericht über den kulinarischen Tag in Tel Aviv erwähnt, hatten wir unser Quartier in Jerusalem aufgeschlagen. Hier befindet sich das Herz Israels, von ungefähr 7,8 Millionen Einwohnern des Landes leben ca. 10% in der Hauptstadt. Drei Weltreligionen haben hier bedeutende Heiligtümer, Juden, Christen und Muslime. In über 2000 Jahren herrschte hier dennoch nie Frieden. Die Stadt steht permanent unter Spannung, mal mehr, mal weniger. So machten wir uns im Vorfeld der Reise viele Gedanken zur Sicherheitslage. Natürlich hatten wir Bedenken, als wir von Angriffen auf Busse und von willkürlichen Messerattacken palästinensischer Jugendlicher lasen. Vor Ort zeigte sich aber sofort, dass der Staat Israel sich und seine Bürger sehr gewissenhaft beschützt. Ich betone, dass es in Israel keine saubere Trennung in Gut und Böse gibt, dazu sind auf allen Seiten zu viele religiöse Eiferer gleichzeitig am Werk.

Es ist meines Erachtens wichtig, beim Thema Sicherheit noch etwas zu verweilen. Die Maßnahmen beginnen schon am Frankfurter Flughafen, wo es für Flüge nach Tel Aviv einen separaten Sicherheitsbereich gibt. Hier wird jeder Reisende äußerst sorgfältig untersucht. Es war gang und gäbe, dass israelische Beamte bereits in Frankfurt Reisende befragten. Um vermeidbaren Problemen zu entgehen, sollten Sie keinen Stempel aus arabischen Ländern im Reisepass haben. In Israel selbst sind an den Eingängen zu Bahnhöfen, zentralen Busstationen und größeren Kaufhäusern Schleusen für Gepäck installiert. Man sieht in der Hauptstadt an jeder größeren Kreuzung, in der Nähe von Sehenswürdigkeiten und vor allen offiziellen Gebäuden entweder Polizei oder Militär. Sehr rasch gewöhnten wir uns an den Anblick von Bewaffneten in den Straßen, darunter sehr viele junge Menschen, die ihren Militärdienst ableisten. Etwas erstaunt waren wir, dass Armeeangehörige auch in Zivil das Recht haben, ihre Waffe offen zu tragen. Das gilt auch abends beim Restaurant-Besuch, links die Frau, rechts das Gewehr. Die Sicherheitsmaßnahmen empfanden wir weder als Einschränkung unserer Bewegungsfreiheit noch als unangenehm oder störend. Wir fühlten uns jederzeit sehr wohl. Ich gehe sogar so weit, dass wir in Europa von den Israelis lernen müssen, zumindest was die Sicherung der Flughäfen betrifft. Ein Anschlag wie in Brüssel wäre in Tel Aviv nicht möglich. Um willkürlichem Terror gar nicht erst ausgesetzt zu werden, nehme ich persönlich ein paar zusätzliche Schleusen gerne in Kauf.

Jerusalem gilt im Gegensatz zum liberaleren Tel Aviv als orthodox. Der Sabbat ist hier besonders heilig. Freitagnachmittag, dem Vorabend zum Sabbat, schließen spätestens um 16.00 Uhr fast alle Restaurants und Geschäfte, der öffentliche Nahverkehr ruht komplett bis zum Samstagabend.

So feiert insbesondere die Jugend Donnerstagabends lautstark und kräftig bis tief in die Nacht in den Haupteinkaufsstraßen und Kneipenzeilen. Auf den Straßen wird gesungen und getanzt. Dafür wirkt ab Freitagnachmittag alles wie ausgestorben. Die jüdische Religion hat speziell in Jerusalem einen enormen Stellenwert, was natürlich auch zum Teil daran liegt, dass sich die Ultra-Orthodoxen bevorzugt in der heiligen Stadt ansiedeln. Festlich gekleidet zieht es die Gläubigen am Sabbat in Scharen zur Klagemauer. Auf der anderen Seite der Klagemauer liegt der Tempelberg mit den muslimischen Heiligtümern El Aqsa Moschee und Felsendom. Seit Premier Ariel Scharon in Militärbegleitung den Tempelberg besuchte, um israelische Ansprüche zu untermauern, hat man als Tourist kaum eine Chance, eine Genehmigung zur Besichtigung des Felsendoms zu bekommen. Aber auch sonst bietet die Stadt unglaublich viele Sehenswürdigkeiten.

Viele der diesem Artikel beigefügten Fotos habe ich von oben auf der Stadtmauer geschossen. Die Stadtmauer kann man entweder nördlich oder südlich besteigen. Eintritt: ca. 5 Euro.  Die nördliche Route, die ich Ihnen besonders empfehlen kann, startet am Jaffa-Tor, einem der Hauteingangsportale zur Altstadt. Wenn man gemütlich geht, ist man ca. eine Stunde auf der Nordseite unterwegs. Gehen Sie besser nicht am Damaskus-Tor im muslimischen Viertel von der Mauer, denn dort und seltsamerweise fast nur dort gab es die Messerattacken. Das Damaskus-Tor ist seither zwar besonders bewacht, inklusive Scharfschützen auf den Dächern gegenüber, aber man sollte das Schicksal nicht herausfordern. Letzte Station auf der Mauer ist das Herodes-Tor, ein Vorhängeschloss verhindert, dass man bis zum Löwen-Tor weiterwandern kann. Vom Herodes-Tor genießt man eine tolle Aussicht auf den Tempelberg und Richtung Mount Skopus, Hebräische Universität. Ebenerdig geht man vom Herodes-Tor im muslimischen Viertel durch einen Suk mit Obst- und Gemüseständen in Richtung Löwen-Tor. Auf dem Weg liegt Bethesda, der Geburtsort von Maria. Rechts neben dem Löwentor liegt ein muslimischer Friedhof, den man besuchen kann. Von dort kann man den gesamten Ölberg betrachten, ein eindrucksvoller Anblick. Unweit des Löwen-Tors und außerhalb der Stadtmauer, liegen u.a. die Gethsemane Grotte mit Marias Grab, der Gethsemane Garten mit seinen uralten Olivenbäumen, die zwischen 1919 und 1924 erbaute Kirche der Nationen sowie die russische Maria Magdalena Kirche, 1885 erbaut von Zar Alexander III.

Zurück in der Altstadt sollte man unbedingt die Grabeskirche besichtigen. Sechs christliche Religionsgemeinschaften teilen sich hier eines der größten Heiligtümer der Christenheit. Die Grabkammer Jesu ist das Zentrum der Kirche, auch eine eventuell längere Warteschlange sollte Sie nicht davon abhalten, die kleine 1808 über der Kammer erbaute Kapelle zu besichtigen. Im Eingangsbereich der Kirche liegt der Salbungsstein, auf dem der Leichnam Jesu nach der Kreuzabnahme gesalbt worden sein soll. Gläubige berühren nicht nur den Stein, sondern legen Taschen, Kleidung und sogar Ihre Mobiltelefone auf den Stein. Soll Segen bringen. Ohne Kommentar.

Ich möchte Ihre Lesegeduld nicht überstrapazieren und zum Schluss noch auf die Schatten der Vergangenheit eingehen. Es gibt kein Land auf Erden, in das man als Deutscher mit so mulmigem Gefühl reist. Die Holocaust-Bürde liegt noch immer schwer auf unseren Schultern. Wie auch könnte man unbefangen einem Israeli jüdischen Glaubens gegenüberstehen? Umso überraschter waren wir, wie offenherzig-freundlich wir überall aufgenommen wurden. Im Gefühl, es sei nicht nur richtig, als Deutsche nach Israel zu reisen, sondern wichtig, wurden wir überall bestärkt. Gerade die jungen Israelis sind neugierig auf die Besucher ihres Landes und sehr schnell kommt man ins Gespräch. Fünf Tage sind viel zu wenig, um auch nur einen Bruchteil des Landes kennenzulernen. Für uns hat diese Schnupper-Tour nach kürzester Zeit dafür gesorgt, dass wir dieses Land, seine Menschen und ihre Küche in unser Herz geschlossen haben. Wir können es kaum erwarten, Israel länger und wesentlich intensiver zu entdecken.