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Jahrgangsprobe Burgund 2016

2016er Jahrgangsprobe Burgund rot

Jahrgangsprobe 2016er rote Burgunder

Am 21. November hatte ich die große Ehre, an einer außergewöhnlichen Degustation teilnehmen zu dürfen. Seit nunmehr 13 Jahren veranstaltet ein illustrer Kreis von Weinliebhabern, die WeinArt sehr nahestehen, näher möchte ich es nicht erläutern, im Herbst eine große Probe der führenden Rotweinproduzenten des Burgunds. Es geht stets um den im Jahr zuvor auf den Markt gekommenen Jahrgang. 29 erfahrene Verkoster*innen widmeten sich in Mainz 28 verschiedenen Pinot Noir Rotweinen aus dem als hervorragend eingestuften Jahrgang 2016. Neben 23 Grand und Premier Crus der Côtes de Nuits standen drei Weine der Côtes de Beaune, sowie als Pirat der 2016er Pinot Noir Willamette Valley aus Oregon von Nicolas & Jay. Letzteres ist ein französisches-amerikanisches Joint Venture unseres Freundes Jean-Nicolas Méo von der Domaine Méo-Camuzet in Vosne-Romanée.

Die hier angeführten Verkostungsnotizen sind mein subjektiver Eindruck. Natürlich fanden einige Weine in großer Mehrheit besondere Zustimmung, aber letztendlich fanden sich 29 Meinungen im Saal und niemand hätte für sich beanspruchen können, im Besitz der allgemein gültigen Wahrheit zu sein. Die enorme Vielzahl an Wein und ihr nochmals wesentlich größerer Reichtum an Facetten und Aromen lässt das zu unserem Glück nicht zu.

Richebourg Grand Cru

Flight Eins: Richebourg Grand Cru, 8,03 ha Fläche

  1. Richebourg Grand Cru, Méo-Camuzet, 0,34 ha Anteil

Intensives Bouquet von dunklen Beeren, sehr reintönig und verführerisch, dezentes, kaum spürbares Holz, sehr feine Süße, enorme Spannung, dicht, elegant, puristisch, die geballte Frucht hat durch die spürbaren Tannine noch keine echte Chance, hinten im Gaumen anzukommen. Feine, ansprechende Säure. Hervorragende Anlagen für ein langes Leben.    

  • Richebourg Grand Cru, Anne Gros, 0,6 ha Anteil

Deutlich süßer in der Nase, sehr offen, dezent likörige, dunkle Beeren dazu eine ansprechende Kräuterwürze. Am Gaumen ist das Holz deutlich spürbar, der Wein wirkt etwas wärmer, höher im Alkohol? Kompakt, deutliche Süße, leichte Reduktionsnoten, wundervolle Eleganz. Tänzerische Mineralität, ein sehr gelungener Richebourg. 

  • Richebourg Grand Cru, Domaine de la Romanée Conti, 3,51 ha Anteil

Artisanal, mir fällt kein besseres Wort ein, um die äußerst eigenständige Nase der DRC Weine zu beschreiben. Da findet sich ein ultrafeines, leicht rauchiges Holz, welches für mich einen hohen Wiedererkennungswert hat, so dass ich die Domaine bei allen drei Weinen der Probe auf Anhieb richtig erkennen konnte. Vegetale Noten, rote Bete, aber auch Rosenblätter, Veilchen, getrocknete Kräuter, ätherisch. Faszinierend, wie der Wein an der Luft aufblüht und der anfangs kaum süße zeigende Geschmack enorm an Intensität gewinnt, sehr lang und mineralisch.

  • Richebourg Grand Cru, Mongeard-Mugneret, 0,31 ha Anteil

Dichtes, kompaktes Bouquet, deutlich vom Holz geprägt, dazu dunkle Beeren, Veilchen, Vanille, Kaffee, Kräuter. Wirkt modern, komplexe, saftige Frucht, lang und intensiv, Klasse gemacht.

2016 Clos de Tart

Flight Zwei: Chambolle-Musigny, Morey St. Denis, Clos des Lambrays, Clos de Tart

Sehr verführerisches, offenes Bouquet von Schwarzkirschen, Lavendel, etwas Pflaume, am Gaumen sehr frisch, viel Spannung, die Säure und der Holzeinfluss deutlich spürbar, wirkt leichter, finessenreich, mineralisch und viel Spiel. Hervorragend.

Recht verschlossen, florale Noten, dazu flüchtige Säure (Klebstoff) im Duft spürbar, anfangs unruhig und eher streng im Geschmack, zu wenig Süße. Legt aber mit Luft deutlich zu und wird eleganter, hier ist Geduld gefragt. Im Moment schwer zu beurteilen, wie gut er wirklich ist.

Im Bouquet fällt er aus der Reihe, feine Waldhonignoten, Sandelholz, dazu Heidelbeeren, prägnantes mir persönlich im Moment zu deutliches und nicht genügend feines Holz. Am Gaumen saftig, erstaunliche Mineralität, leicht adstringierend, Speck (vom Holz), definitiv kein guter Zeitpunkt zur Probe. Hier werden einige Jahre Reife helfen, denn das Potential ist sehr gut.

  • Bonnes Mares Grand Cru, Comte de Vogüé, Anteil von 2,7 ha von 15,06 ha Fläche

Ätherische Kräuter, Süße in der Nase, Kirsche. Der Wein wirkt glatt und geschmeidig, sehr reintönig, am Gaumen kommt zur Frucht eine deutliche, angenehme Lakritz Note. Gut, aber nicht überragend.

Flight Drei: Romanée Saint Vivant Grand Cru, 9,44 ha Fläche, Corton-Grancey

  • Romanée Saint Vivant Grand Cru, Sylvain Cathiard, 0,17 ha Anteil

Offenes, intensives Bouquet, kirschig, Gewürze, rote und dunkle Beeren, wirkt etwas schwerer, am Gaumen jedoch Tannine deutlich spürbar, leichte Bitternote, die Süße kommt derzeit nicht durch, dennoch ist seine Klasse und Vielschichtigkeit schon erkennbar. Mit Luft entwickelt er verführerische, ätherische Noten, seine Intensität legt enorm zu. Ein exzellenter Wein, den man frühestens in zehn Jahren hervorholen sollte.  

  1.  Romanée Saint Vivant Grand Cru, Domaine de l’Arlot, 0,25 ha Anteil

Leicht rauchig-speckiges Holz in der Nase, dazu Teer, Kräuter, florale Noten, wirkt leicht unsauber und zeigt derzeit wenig Süße, adstringierend, sehr verschlossen. Mindestens zehn Jahre Geduld.

  1. Romanée Saint Vivant Grand Cru, Jean-Jacques Confuron, 0,5 ha Anteil

Animalische Noten, Reduktion, dazu florale Töne, dunkle Beeren, sehr fein mit verführerischer Süße, ätherische Kräuternoten, moderner Stil, aber hochelegant.

  1. Corton Grancey, Grand Cru, Maison Louis Latour

Der Corton Grancey ist keine Einzellage, sondern eine Cuvée aus den Grand Crus Les Bressandes, Les Chaumes, Les Pougets, Les Perrières und Les Grèves, in welchen Louis Latour Flächen besitzt. Lakritz, Anis, Leder, etwas Holz im Bouquet, wirkt wärmer, körperreicher. Hat viel Kraft, ist komplex, zeigt eine gute Länge, ist aber nicht so elegant wie die vorherigen Weine. Trotzdem insgesamt sehr gut.

  1. Romanée Saint Vivant Grand Cru, Domaine de la Romanée Conti, 5,29 ha Anteil

Vom ersten Hineinriechen an zeigt sich ein wunderschöner Duft, allerfeinstes Holz, rote Beeren, getrocknete Kräuter, der Stil des Hauses unverkennbar, tänzelnde Frucht, ätherische Öle, pure Eleganz, hochfein, zart, facettenreich. Perfekte Balance und das harmonische Zusammenspiel von Bouquet und Geschmack locken die Poesie hervor. Eine grazile Burgunder Ballerina. 

Flight Vier: Vosne-Romanée und La Tâche

  1. Vosne-Romanée Premier Cru Aux Brûlées, Méo-Camuzet, Anteil von 0,72 ha von 4,53 ha Fläche

Sinnlich warmes Fruchtbouquet, ein Korb voller reifer, dunkler Beeren, Veilchen, Gewürze, leicht flüchtige Säure, am Gaumen faszinierende, vielschichtige Frucht, Mineralität und Frische. Komplex und dicht, die Balance zwischen Tannin und Körper ist bereits da. Exzellent.

  1. Vosne-Romanée Premier Cru Aux Brûlées, Jean Grivot, Anteil von 0,26 ha von 4,53 ha Fläche

Recht verschlossen, Bienenwachs, ätherische Kräuter, rote Beeren, Anis. Am Gaumen derzeit zu wenig Komplexität, wirkt ein bisschen rustikal und schlank. Wahrscheinlich gerade in einer unzugänglichen Phase. Später zeigt sich etwas Lakritz, aber kaum Frucht. 

  1. La Tâche Grand Cru, Domaine de la Romanée Conti, 6,06 ha im Alleinbesitz

Anfangs vegetale Noten, dann aber reife rote Johannisbeeren, Rosenblätter, Kräuter, rote Bete, feinstes Holz, unverkennbar DRC, am Gaumen gleichzeitig kraftvoll und hochelegant, enorm komplex, die Frucht so fein und die Länge grandios. Ein einzigartiger Burgunder, der über etliche Jahrzehnte größte Freude machen wird, der aber erst mindestens zehn Jahre weiter reifen sollte. 

Flight Fünf A: Griotte-Chambertin Grand Cru, 2,73 ha Fläche

  1. Griotte-Chambertin Vieille Vigne Grand Cru, Fourrier, 0,26 ha Anteil

Sehr verführerisches, intensives Bouquet, rote und dunkle Beeren, Gewürze, am Gaumen eine herrliche Süße, im Moment ist dieser Wein erstaunlich offen und präsent, elegant, fein und geradlinig. Absolut überzeugend.     

  1. Griotte-Chambertin Cuvée du Saule Grand Cru, Laurent Ponsot, 0,90 ha Anteil

Leider flüchtige Säure im Überfluß, unangenehme Klebstoffnoten, präsentiert sich unsauber, definitiv kein Kork, da der Wein mit künstlichen Ardea Seal Korken verschlossen wurde. Sehr unzugänglich, ob die Zeit hilft? Nebenbei bemerkt stellte ich jetzt fest, dass dieser Wein 15% Vol. hat. 

Flight Fünf B: Gevrey-Chambertin Premier Cru Clos St. Jacques, 6,7 ha Fläche

Anfangs leicht dominantes, rauchig-speckiges Holz, dazu rote Beeren, Lavendel, dezent Leder, Blaubeeren. Am Gaumen entfaltet er umgehend eine geballte Ladung Kraft und dichte, vielschichtige Frucht. Eindrucksvoll in jeder Hinsicht, lässt keinerlei Zweifel an seiner Ausnahmequalität, herausragend, sehr lang und druckvoll. Wie in jedem Jahr höchstes Grand Cru Niveau. Ein Monument mit Potential für mindestens dreißig Jahre. 

  • Gevrey-Chambertin Premier Cru Clos St. Jacques Vieille Vigne, Fourrier, 0,89 ha Anteil

Deutlich fruchtbetonter in der Nase, Gewürze wie Minze, rote Beeren, angenehme Kräuterwürze, zugänglicher, weicher, feiner am Gaumen, mehr auf Eleganz ausgerichtet. Die Frucht ist wundervoll, sehr gute Balance, aber an die Klasse vom 2016er Rousseau reicht er nicht heran. 

Flight Sechs A: Chambertin Clos de Bèze Grand Cru, 15,4 ha Fläche

  • Chambertin Clos de Bèze Grand Cru, Robert Groffier, 0,42 ha Anteil

Anfangs eher vegetale Noten, später auch dunkle Beeren, sehr intensiv, duftet edel, viel Kraft. Am Gaumen satte, dichte Frucht, eine Spur Marzipan, sehr gute Balance und Spannung. Ein wahrhaft formidabler Burgunder.   

  • Chambertin Clos de Bèze Grand Cru, Armand Rousseau, 1,42 ha Anteil

Der gewaltige 2016er war für mich der verschlossenste Wein der gesamten Probe. Nahezu undurchdringlich im Bouquet und am Gaumen. Wahrscheinlich hätte man diesen Riesen etliche Stunden dekantieren müssen. So kann ich ihn heute nicht gerecht beurteilen, er zeigte leichte flüchtige Säure, kaum Frucht, wirkte unruhig und säurebetont, aber seine Kraft war jederzeit präsent. Ich schätze, man sollte ihn in 15 Jahren wieder ans Tageslicht holen, um ihn dann für Jahrzehnte (wenn sie uns denn bleiben) zu genießen.

Flight Sechs B:  Mazis-Chambertin Grand Cru, 9,1 ha Fläche

Sehr eigenständiges, floral dominiertes Bouquet, dazu erdige Töne, ebenfalls rote Beeren. Alles recht intensiv und offen, eine Spur flüchtige Säure, aber im grünen Bereich. Am Gaumen jedoch eher noch zurückhaltend muskulös, viel Spannung und Mineralität, gute Länge. Wird frühestens in fünf Jahren seine hinreichend vorhandenen Qualitäten zeigen. Darauf kann man sich schon jetzt freuen.

  • Mazis-Chambertin Grand Cru, Maison Olivier Bernstein, 0,18 ha Anteil

Hochfeines, warmes Bouquet, leichte Räucherspecknoten, wunderschönes Spiel zwischen feiner, süßer Frucht und Tanninen. Pure Eleganz, perfekt ausbalanciert, die reinste Verführung aber auch Tiefe, superb gemacht. Alle Achtung.

Flight Sieben: Volnay, Oregon und die Cuvée Speciale

Strahlend klares von Sauerkirsch dominiertes Bouquet, dazu etwas Pflaume, mineralische Steinnoten, die Frucht fein, aber noch deutlich im Hintergrund, recht straff und kraftvoll, sehr gut strukturiert, fest und noch etwas adstringierend. Braucht noch viel Zeit, sehr gutes Potential.

  • Volnay Premier Cru, Coche Dury, Anteil unbekannt

Es ist in der Tat die Regel, dass mich die Rotweine von Coche Dury stets begeistern. Nicht etwa für ihre Kraft, sondern für ihre unwiderstehliche Fruchtklarheit und Finesse. Auch dieser 2016er glänzt mit einem verführerischen Bouquet aus reifen Kirschen, roten Johannisbeeren, Himbeeren und dunklen Beeren, dazu eine kühle, erdverbundene Intensität. Am Gaumen ein feines Spiel aus frischer Säure und glasklarer, zart süßer Frucht. Nach all den Côtes de Nuits Weinen sicher ungewöhnlich, aber absolut typisch und delikat. Freude im und aus dem Glas heraus.

Ein deutlich offeneres, wärmeres Bouquet, geprägt von Cassis, Blaubeeren, Himbeeren, dazu florale Noten wie Veilchen. Geradlinig, klar und poliert, es fehlt allenfalls ein wenig der Tiefgang, bzw. das nicht zu kopierende Terroir des Burgunds. Seine Eleganz ist hervorragend, die Frucht saftig, frisch und perfekt dosiert. Ein sehr feiner und empfehlenswerter Pinot Noir aus Oregon.

  • Cuvée Speciale

Natürlich ebenfalls blind serviert. Sehr dichtes, zupackendes Bouquet, reichlich Frucht, Heidelbeer, Kirsch, Himbeer, ein Füllhorn an Aromen. Wunderschöne Frucht, hervorragend gemacht, große Klasse, bleibt sehr lang am Gaumen, ich dachte an den König der Burgunder, einen ausgezeichneten Chambertin. Nicht alles im Weinleben ist so wie es zunächst scheint. Dieser Wein war eine Cuvée aus sämtlichen 27 vorangegangenen 2016er Pinot Noirs. Absolut fantastisch und weder mindert diese geniale Mischung die Qualität des eigenen Urteilsvermögens, noch wird sie nach der Auflösung des Rätsels auch nur einen Deut schlechter.  

Fazit:

Die Weine bestätigen ohne Ausnahme das Urteil der Winzer, Weinjournalisten und Weinkenner. 2016 ist ein großer Jahrgang. Ob er aber 2015 übertrifft, werden die nächsten Jahrzehnte zeigen, heute sieht es noch nicht so aus. Die besten 2016er werden frühestens in zehn Jahren das Plateau ihrer Trinkreife erreichen und mit Sicherheit über 2050 hinaus leben und große Freude bereiten. Die Einzigartigkeit des Burgunds bleibt uns weiter erhalten, nirgendwo sonst auf der Erde lassen sich so grandiose Weine aus der Pinot Noir Traube erzeugen. Unsere große Hoffnung ist, dass sich weder durch Klimawandel noch durch modische Genusstrends das Geschmacksbild des Burgunds ändert.

Diese Veranstaltung war denkwürdig und ohne Übertreibung eine der herausragendsten Weinproben des Jahres 2019. Ich bin unendlich dankbar dafür, dass ich hier lernen, genießen und mich mit gleichgesinnten Burgunderliebhaber*innen austauschen konnte.

Dieser Erfahrungsschatz wächst von Schluck zu Schluck und Sie, die hier darüber lesen, können davon unendlich profitieren. Sprechen Sie uns an, dieser Reichtum will geteilt und nicht nur gehütet werden.

Hans-Jürgen Teßnow, November 2019         

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