In den Weinbergen von Méo-Camuzet

Ein Tag in den Weinbergen der Domaine Méo-Camuzet

Den 20. Juli 2018 werden wir so schnell nicht vergessen. Wir haben zu dritt im Burgund die Domaine Méo-Camuzet besucht, mit der wir seit Ende der 1980er Jahre erfolgreich zusammenarbeiten. Jean-Nicolas Méo hat uns einen ganz besonderen Wunsch erfüllt. Um seine Weine, die wir so sehr schätzen, noch besser verstehen zu können, haben wir einen Tag in seinen Spitzenlagen verbracht. Am Vormittag führte uns Méos deutscher Kellermeister Peer, nachmittags Jean-Nicolas persönlich.

Ich bin kein studierter Geisenheimer Oeonologe wie Felix Peters, der uns begleitete. Er ist Kellermeister des mit uns eng verbundenen Weinguts St. Antony in Nierstein. Natürlich hatte er vollkommen andere Fragen als wir, aber die Mischung aus technischen und unseren aus der Sicht als Genießer und Händler machte die Geschichte zu einem besonderen Erlebnis.

Es würde nur einen ganz kleinen Kreis von Oenologen glücklich machen, wenn mein Bericht sich zu sehr in Bodenanalyse, Genetik und Klone vertiefen würde. Das interessiert kaum einen Kunden. Letzterer möchte einen guten Wein im Glas haben und allenfalls noch wissen, was Winzer bzw. Wein auszeichnet. Hier setze ich an. Vieles erschließt sich, wenn man sich einfach nur die Mühe macht, im Weinberg genau hinzuschauen. Wie sieht der Boden aus? Kann man Unterschiede zu den direkt nebenan liegenden Parzellen und zu den Reben der anderen Winzer erkennen?

Schauen Sie sich die Bilder an. Sie ersetzen zwar nicht das erhebende Gefühl, mitten in den berühmtesten Pinot Noir Weinlagen zu stehen und die einzigartige Atmosphäre des Burgunds zu spüren. Ich hoffe dennoch doch sehr, dass sie Ihnen Lust auf einen Burgunder von Méo-Camuzet machen. Es muss ja nicht gleich ein Richebourg sein. Die große Winzerkunst zeigt sich bei Jean-Nicolas Méo schon im Kleinen. Probieren Sie mal seinen Bourgogne Rouge. Da stecken zehn Jahre Trinkvergnügen in jeder Flasche. Und falls es doch mal ein Richebourg sein darf…wir sind für Sie da.

Hier die Details unserer Tour von Weinberg zu Weinberg:

Corton Clos Rognet Grand Cru

Zum Corton Rognet zählen 11,6 ha Fläche. Das Filetstück dieses Grand Crus ist der von einer alten Mauer umgebene Clos Rognet. 0,45 ha besitzt die Domäne hier, die Reben wurden von Etienne Camuzet 1927 gepflanzt. Der mit Kalksteinen durchsetzte Lehmboden ist nur ca. 30 cm tief, darunter ist purer Kalk. Der Corton Clos Rognet ist besonders langlebig. Nach einigen Jahren Flaschenreife zeigt sich seine Kraft, Mineralität und Klasse. Für uns gibt es kaum einen besseren Corton.

Corton Perrières Grand Cru

Die Lage umfasst 9,88 ha, direkt neben dem weithin sichtbaren Château Corton-André. Erst seit 2010 besitzt Méo hier 0,68 ha. Der lehmige Boden hier ist durchgängig besonders steinig, zahllose Kieselsteine sorgen für eine gute Drainage. Corton-Perrières ist anfangs  etwas streng und abweisend, aber keineswegs zu unterschätzen. Ebenfalls langlebig.

Corton La Vigne au Saint Grand Cru

2,46 ha klein, seit 2010 gehören Méo 0,19 ha. Die Lage ist komplett südlich ausgerichtet. Der schwere Lehmboden enthält zahlreiche größere Kalksteinbrocken und Steine. Von den drei Méo-Cortons ist er ganz eindeutig der charmanteste und fruchtbetonteste Cru. Man kann ihn bedenkenlos auch als jüngeren Wein trinken.

Nuits-St.-Georges Premier Cru Aux Boudots

Von 6,3 ha sind 1,05 ha im Besitz von Méo-Camuzet. Die relativ steile Lage grenzt nördlich direkt an die hervorragende Premier Cru Lage Vosne Romanée Aux Malconsorts an. Der Boden ist steinreich. Unter Aux Boudots verläuft ein breites Felsband. Die Reben wurden je zur Hälfte Anfang der 1950er und Mitte der 1960er Jahre bepflanzt. Stilistisch ist Méos Aux Boudots ein maskuliner, vielschichtiger, körperreich-kraftvoller Wein mit hoher Reife, der nie streng wirkt.

Richebourg Grand Cru

8,03 ha groß. Méos Anteil ist 0,34 ha klein und liegt im oberen Bereich, „Les Veroilles“ genannt. Gepflanzt in den 1950er Jahren, bringt Méos Richebourg sehr häufig kleinste Beeren hervor, die qualitativ nicht besser sein könnten. Die Richebourg Parzelle wurde wie der angrenzende Vosne-Romanée Cros Parantoux vom legendären Henri Jayer bewirtschaftet. Ein wahrhaft majestätischer Wein, der dem Ruhm der Lage Jahr für Jahr zusätzlichen Glanz verleiht.

Vosne-Romanée Cros Parantoux Premier Cru

Diese in jeder Hinsicht herausragende, nur 1,01 ha kleine Lage wurde nach dem Krieg von Henri Jayer neu beplanzt. Nicht etwa mit dem Ziel, hier den besten Wein des Burgunds zu erzeugen, aber um das von ihm erkannte grandiose Potential nicht weiter brach liegen zu lassen. Der Boden ist extrem karg und kalkhaltig. Henri Jayer erzählte, dass er Sprengstoff benutzen musste, um Löcher für die Reben zu bekommen. Aus den 0,3 ha erzeugt Méo einen der weltweit gesuchtesten Burgunder. Mehr Mineralität und Spannung lässt sich in einem Pinot Noir kaum finden.

Vosne-Romanée Aux Brulées Premier Cru

4,53 ha groß, 0,72 ha davon gehören Méo-Camuzet. Méos Parzelle liegt hervorragend: Am Fuß vom eigenen Richebourg-Anteil, sprich in einem kühleren Abschnitt dieser an sich heißeren Lage. Das kommt den Weinen geschmacklich zugute, sie sind gleichsam besonders kraftvoll und würzig, strahlen aber immer auch eine erfrischende Kühle aus. Sehr langlebig, wer genügend Geduld hat, dem erschließt sich wahre Pinot Noir-Noblesse, wie sie nur im Burgund wachsen kann.

Echezeaux Les Rouges du Bas Grand Cru

Die Lage wurde ursprünglich wie der Clos de Vougeot von Zisterzienser-Mönchen angelegt. Mit 37,69 ha ist sie sehr groß und es gibt innerhalb der Lage ebensolche Unterschiede was die Böden und die mögliche Güte der Weine betrifft. Viele der Parzellen im Echezeaux haben eigene Namen. Innerhalb der 4 ha Parzelle Les Rouges du Bas besitzt Méo 0,44 ha, gelegen in der höheren, westlichen Ecke. Hier ist es kühler, was zu eleganteren, finessenreicheren Weinen mit angenehmer Säure führt.

Clos de Vougeot Grand Cru

Die mit Abstand größte Grand Cru-Lage der Côtes de Nuits: 50,96 ha mit langer Geschichte. Bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. 1920 erstand Etienne Camuzet das Château Clos Vougeot und die direkt angrenzenden Reben. Heute sind 3,03 ha im Besitz von Méo. Ein Drittel wurde in den 1920er Jahren gepflanzt. Der Boden ist oft nur 40 cm tief, darunter massives Kalkgestein, durch welches sich die Wurzeln der Reben durchkämpfen müssen. Méos Clos de Vougeot überzeugt mit Eleganz, satter Frucht und Finesse.

Zum Schluss möchte ich Ihnen nicht vorenthalten, was ich schon 2004 geschrieben habe:

„Die Stilrichtung der Weine von unserem Freund Jean-Nicolas möchten wir so beschreiben: sie besitzen einen eigenen Zauber, Jahr für Jahr lassen wir uns bei unseren Besuchen davon in den Bann ziehen. Von Fass zu Fass zieht sich ein weinroter Faden aus fruchtbeladener Tiefe und samtweicher, seidiger Eleganz. Geradlinigkeit, von Wein zu Wein, und geraume Zeit später glauben wir, dass das Rezept für die Harmonie auf Erden in einem Glas Richebourg verborgen ist.“

Es ist ein gutes Gefühl, wenn manche Ansichten sich in bald 15 Jahre später keinen Deut verändert haben.

Jean-Nicolas und Peer, wir danken Euch herzlich für einen lehrreichen, denkwürdigen Tag.

Hans-Jürgen Teßnow, 27.07.2018

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