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Ich weiss ein Haus am See

Ich weiß ein Haus am See, Ufer

Wann immer ich die Absicht habe, ein persönliches, besonderes Ereignis zu feiern, gelten stets dieselben Kriterien. Ich möchte in Ruhe genießen, aber nicht in Ruhe gelassen werden. So schare ich denn liebste Freunde und Familie um mich herum. Weiterhin möchte ich von möglichst viel Natur umgeben sein. Nicht um mich dort zu verstecken, sondern um ihren Reichtum mit meinen Augen zu entdecken. Klare, frische Luft einatmen, natürliche Düfte erschnuppern, Kraft, Zuversicht und Glückseligkeit tanken. Am liebsten möchte ich während einer Reise aus bestimmtem Anlass auch etwas Neues finden oder Vertrautes wiedersehen. Kultur und Sehenswürdigkeiten gehören unbedingt dazu. Die Ausflugstour sollte immer durch ein gemeinsames, vorzügliches Mahl mit korrespondierenden Weinen gekrönt werden.

Ich weiß ein Haus am See, Kuchelmiß

Ein Wochenende in Krakow am See

Anfang Dezember 2019 vereinten und verwirklichten sich alle meine gewiss nicht immer leicht zu erfüllenden Wünsche in Mecklenburg. Für ein Wochenenden reiste ich mit Freunden in das idyllisch direkt an den Krakower Seen gelegene Hotel „Ich weiß ein Haus am See“. Neun geräumige Zimmer, davon sechs mit Blick auf den See, sowie ein 40 qm kleines Sommerhäuschen verleihen dem Hotel eine familiäre Atmosphäre. Geleitet werden Hotel und das dazugehörige Gourmet-Restaurant von Adelbert und Petra König. Die beiden sind formidable, äußerst charmante Gastgeber, man fühlt sich von Anfang an wohlversorgt und bestens aufgehoben. Es geht überall fröhlich, entspannt und zwanglos zu, man wird verwöhnt und plaudert nebenbei. Das Restaurant als Salon und Wohnzimmer. Absolut nach meinem Geschmack.

Gourmet-Menü mit Stern

Filet vom Weiderind "Rossini"
Filet vom Weiderind „Rossini“

Seit 1996 hat das Restaurant ununterbrochen und wie ich nach zwei Abenden mit Gourmetmenü bestätigen kann, hoch verdient einen Stern im Guide Michelin. Die Küche von Chefkoch Raik Zeigner passt perfekt zum Stil des Hauses, grundsolide, ehrliche Küche, beste Zutaten begleitet von vorwiegend lokalen Zutaten, jahreszeitlich angepasst. Weder aromatischer Overkill noch exzessive Schäumchenschlägerei, sondern ordentliche Portionen auf dem Teller. Grandios die Vorspeise Heißgeräucherter Wolfsbarsch auf Fenchel-Zucchinigemüse, sowie der nachfolgende Fischgang Steinbutt auf Safranrisotto mit Rosenkohlblättern. An beiden Abend waren sowohl Fisch wie auch die Fleischgänge auf den Punkt genau gegart. Das Restaurant bietet keine „À la Carte“ Auswahl an, sondern nur das Gourmetmenü. Adelbert König ist ein Weinverrückter, der sich unglaublich gut auskennt. Er offeriert eine auf das Menü abgestimmte glasweise Weinbegleitung, mit der man immer auf der sicheren Seite ist. Da ich für den zweiten Abend meine eigenen Weine mitbringen durfte, habe ich es leider versäumt, mir die Weinkarte des Restaurants genauer anzusehen. Im Weinklimaschrank liegen auf jeden Fall zahlreiche, spannende Tropfen, das kann ich versprechen.

Wandern im Nebeltal

Naturschutzgebiet Nebeltal

Das Hotel „Ich weiß ein Haus am See“ liegt wie erwähnt sehr ruhig, ganz in der Nähe ist das Naturschutzgebiet Nebeltal, welches sich für längere Spaziergänge wirklich anbietet. Es sind etliche gut ausgeschilderte Wege vorhanden, man wandert entlang des Flusses Nebel durch Mischwald, man hört und sieht noch Kraniche, ab und zu einen Raben. Natur pur. Die Mecklenburgische Seenplatte zählt zu den schönsten Regionen unseres Landes und ich kann Ihnen einen Aufenthalt bei Familie König im „Ich weiß ein Haus am See“ nur wärmstens empfehlen.

Schloss Güstrow, Mecklenburg

Ein Nachmittag in Güstrow

Nur 20 km entfernt liegt die Ernst-Barlach-Stadt Güstrow mit ihrem Schloss. Zahlreiche aufwendig restaurierte Häuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert veredeln das Stadtbild. Im Schloss befindet sich ein Museum mit wechselnden Ausstellungen, derzeit eine besonders sehenswerte mit Bildern von Cranach. Allerdings hörten wir, dass das Schloss ab 2020 restauriert wird und deshalb für Besucher geschlossen bleibt. In der Altstadt sollten Sie unbedingt auch das kleine, traditionsreiche Café Küpper aufsuchen. Die Auswahl an hausgemachten Torten in bester Qualität ist mehr als verlockend.    

Die Weine der Feier

Champagne bis Rheingau

Verkostungsnotizen 07.12.2019

1999 Champagne Bollinger La Grande Année, 1,5 l Magnum

Diese Magnumflasche wurde 2007 degorgiert. 1999 ist ein sehr guter Jahrgang in der Champagne und jetzt im Alter von 20 Jahren zeigt sich diese Cuvée aus 63% Pinot Noir und 37% Chardonnay von ihrer besten Seite. Die Farbe ein leuchtendes Gelbgold, sehr feine Perlage. Das Bouquet offen, dem Glas entströmen verführerische, sehr feine Röstaromen, Brioche, Pfirsich und etwas Honig. Am Gaumen wirkt der 1999er sehr weinig, hat seine Balance bereits gefunden, die Säure sorgt für Frische, hält sich aber angenehm im Hintergrund zur satten, klaren Frucht. Exzellente Länge, ein fantastischer Champagner, der noch für mindestens ein weiteres Jahrzehnt auf höchstem Niveau bleiben wird.

2009 Morstein Riesling Grosses Gewächs Q.b.A. trocken, Wittmann, Rheinhessen

Zum zweiten Mal innerhalb weniger Wochen probiert. Beide Male zeigte sich der 2009er Morstein ohne jeden Zweifel als einer der besten seines Jahrgangs. Im warmen Jahrgang 2009 tritt dieser Morstein mit brillanter Klarheit und Präzision auf. Strahlendes Bouquet von Aprikose, reifem Apfel, Birne, dazu etwas Zitrus, Kräuter. Am Gaumen intensiv und trotz seiner 13,5% wirkt seine Frucht frisch, der Wein ist höchst elegant und versprüht eine Vielfalt an Geschmacksnuancen, zur puren Frucht gesellen sich mineralische Noten. Ein Riesling Traum, möglicherweise übertrifft er sogar die herausragenden 2004er und 2001er. Potential: Weitere 20 Jahre.        

1988 Château Mouton Rothschild, 1er Grand Cru Classé, Pauillac, 1,5 l Magnum, Bordeaux

Diese Magnum kam kurz nach der Markt-Freigabe in meinen Keller. Einerseits war ich von der Qualität des Jahrgangs überzeugt und andererseits bin ich absolut begeistert vom Etikett, welches Keith Haring gestaltet hatte. Wenige Wochen zuvor hatte ich eine Flasche 1988er Château Pichon-Baron getrunken und den Geschmack dieses ebenfalls hoch angesehenen Pauillac Weinguts noch recht gut in Erinnerung. Der 1988er Mouton war nach ca. zwei Stunden in der Karaffe im Bouquet deutlich geprägt von dunklen Beeren, Tabak, Kräutern, zeigte aber auch grüne Paprika Noten, welche ein Indiz für nicht 100% reife Cabernet Sauvignon Trauben sind. Am Gaumen war der Mouton eher kühl, zunächst etwas verschlossen, eher fest, die Tannine markant, sie ließen die Frucht nicht vollends zur Entfaltung kommen. Es steht für mich fest, dass die Entwicklung des 1988er Moutons noch nicht beendet ist, aber ich habe gewisse Zweifel, ob die Frucht wirklich in einigen Jahren die Oberhand gewinnt und der Wein seine Balance findet. Ehrlich gesagt ist der 1988er Pichon-Baron der klar bessere Wein, weil er mehr Frucht, weichere Tannine und jetzt eine sehr gute Balance besitzt.

1998 Chateauneuf du Pape, Chateau de Beaucastel, Rhône

Diese Flasche wurde nur kurz dekantiert und war trotzdem vom ersten Hineinriechen bis zum letzten Schluck ein grandioser Rotwein. Beaucastel ist ein persönliches Lieblingsweingut und den 1998er habe ich schon öfter probiert. In keiner bisherigen Probe war er jedoch so herausragend wie an jenem 07.12.2019. Der 1988er Mouton Rothschild sah, zieht man seinen Preis (aktuell ca. 900 Euro für die Magnum) und sein Renommee in Betracht, nach dem 1998er Chateauneuf du Pape ganz alt aus. Das deutlich von der Grenache Traube dominierte Bouquet glänzt mit einer Mischung aus der für reifen Grenache typischen Süße, dazu Garrigue, getrocknete Kräuter, Waldhonig, Leder, reife Kirschen. Am Gaumen satte, saftige Frucht, die aber von Tannin und Säure ideal gestützt wurde. Sehr langer Nachhall. In diesem Stadium unwiderstehlich.

1971 Hallgartener Schönhell Riesling Beerenauslese, Fürstlich Löwenstein-Wertheim-Rosenberg’sches Weingut, Versteigerungswein, Rheingau

Eingekauft hatte ich diesen Wein zu meinem 25. Geburtstag, doch vor 30 Jahren blieb diese Flasche übrig…Jetzt hatte sie endlich ihren Auftritt. 1971 ist in Deutschland einer der besten Jahrgänge des 20. Jahrhunderts. Noch heute überzeugen in Verkostungen selbst Kabinett und Spätlese Rieslinge . Diese Beerenauslese wirkte wie eher wie eine kräftige Auslese, d.h. die Süße war nicht so intensiv. Die Nase zeigte Quitte, Honig, Pflaume, Kräuter, gebackenen Apfel. Reintönig ohne jede störende Fass-Note, die man leider häufiger bei alten Rieslingen findet. Das Warten hatte sich gelohnt, die Balance zwischen deutlicher Süße und feinster Säure war gut. Dieser Wein ist jetzt auf seinem Höhepunkt, wird aber sicher auch in 20 Jahren noch Freude schenken.  

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