Clos Ste. Hune – Die Elsässer Wein-Legende in Geisenheim

 

Elsass Probe 150915 Korken 4zk

Elsässer Wein führt im deutschen Weinmarkt ein Schattendasein. Trotz seiner historischen und geografischen Nähe zu Deutschland hält sich der Absatz hierzulande in Grenzen. Das ist zum Teil selbstverschuldet, denn das Etikett gibt in der Regel keinerlei Auskunft, ob der Wein trocken, feinherb oder gar richtig süß ist. Ausnahmen: Bei einer Vendange Tardive (Spät/Auslese) oder einer Selection de Grains Nobles (Beeren/Trockenbeerenauslese) ist die Lage klar, da aber das Wort „trocken“ auf dem Etikett sämtlicher anderer Weine fehlt, muss man sich entweder genauestens auskennen oder sich beraten lassen. Die Geschmacksrichtung kann sogar bei selber Lage und selben Winzer von Jahr zu Jahr deutlich variieren, ohne dass man es auf dem Etikett erkennen kann. So wird die Rolle des Elsässer Weins als Essensbegleiter unnötig erschwert.

Nichtsdestotrotz gibt es speziell aus den 50 als Grand Cru klassifizierten Lagen großartige Rieslinge, Gewürztraminer die ihresgleichen suchen und auch Grauburgunder (Pinot Gris), die durchweg überzeugen.

Richtig begeistert sind wir von Trimbachs famosem Riesling Clos Ste. Hune, der sich qualitativ sehr oft und preislich immer  von allen anderen weit absetzt. Animiert durch einen ansehnlichen Bestand reiferer Jahrgänge entschlossen wir uns, eine Probe rund um diesen Klassiker auf die Beine zu stellen.

Gestern war es soweit. Im Kreis von 18 Weinliebhabern servierten wir rund 50 Weine. Eingebettet in ein Menü aus Elsässer Köstlichkeiten wie Terrine von der Entenstopfleber mit Brioche und Gewurztraminer Vendange Tardive Gelee , Hechtklößchen mit Dill-Rahmsauce und Choucroute Alsacienne. Dankenswerterweise für uns vorbereitet von Familie Frankenbach vom Ein-Stern-Restaurant Jean, Eltville. Ergänzt durch Käse-Spezialitäten vom berühmten Affineur Maître Antony aus Vieux-Ferrette. Abgerundet mit einem Guglhupf.

Nun zu den Weinen. Insgesamt 13 Jahrgänge Clos Ste. Hune waren aufgeboten. Durchschnittlich werden nur ca. 8.000 Flaschen davon produziert. Diese 1,67 ha kleine Lage liegt in Hunawihr und ist seit über 200 Jahren im Besitz der Familie Trimbach. Der Boden ist vorwiegend kalksteinhaltig, die Ausrichtung süd-süd-östlich. Ich habe an diesem Abend enorm viel hinzugelernt, dafür möchte ich mich ausdrücklich bei Stéphane Gass, dem Sommelier der Traube-Tonbach, Baiersbronn bedanken. Er stammt aus dem Elsass. Kaum vorstellbar, dass noch jemand über ein so enzyklopädisches Wissen über die Winzer, Lagen und Jahrgänge seiner Heimat verfügt. Von seiner Trinkerfahrung ganz zu schweigen. Hut ab.

Die Probe war insgesamt äußerst aufschlussreich, ließ sich doch anhand der Jahrgangstiefe von 2007 bis 1959 recht genau aufzeigen, wie sich das angestrebte Geschmacksprofil im Laufe der Dekaden veränderte. Falls Sie mehr wissen möchten, dürfen Sie uns gerne kontaktieren.

Hier meine Eindrücke zu einigen Glanzpunkten in Kurzform:

1990 Riesling Hengst Vendanges Tardives, Josmeyer:
Hellgold, Pfirsichnoten, erstaunlich frischer Eindruck, saftiger Schmelz, derzeit in Top-Form.
1990 Gewurztraminer Clos Windsbuhl, Zind-Humbrecht:
Er wird den seinerzeit mit 100 Punkten geadelten 1989er überleben, schon jetzt wirkt er deutlich würziger, pikant, Brotnoten, ein Korb voller Rosenblüten, tolle Balance, saftige Süße, wunderbar.
1971 Gewurztraminer Vendanges Tardives, Trimbach:
Wie in Deutschland ein großer Jahrgang, sehr schön gereift, noch immer hellgold, pikante Säure, Feuersteinaromen.
2007 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Ein Monument aus Stein. Undurchdringlich, fest, die Säure ummantelt die Frucht, allenfalls die Würze schimmert durch. Wird in zehn Jahren hochspannend sein.
2004 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Mineralität, feiner Schmelz, klassische Struktur, feinste Frucht, gewinnt mit Luft enorm hinzu, exzellent mit viel Tiefe.
2004 Riesling Cuvée Frédéric Emile, Trimbach:
Wirkt fruchtbetonter, rauchig, Feuerstein, reife Frucht, zarte, dezente Fruchtsüße. Klasse.
1990 Riesling Cuvée Frédéric Emile, Trimbach:
Klassischer 1990er: Prägnante Säure, sehr klar strukturiert, frisch mit Biss, wirkt durch die Säure etwas austrocknend, sehr gut, aber wird nie verführerisch sein.
1990 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Intensiv, präzise Säure, die den Wein dominiert. Wird sich halten, aber keinesfalls besser werden.
Wird seinem legendären Ruf nicht gerecht.
1988 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Deutlich charmanter als 1990. Saftige Frucht, wirkt recht reif, hat Schmelz, trinkt sich prima, begeistert aber nicht.
1981 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Kann den grasigen Charakter des unreifen Jahrgangs nicht verleugnen, ist aber am Gaumen intensiv, würzig und zeigt Klasse. Ein fordernder Wein, nicht zum Abschalten geeignet. Spannender Trink-Genuss.
1978 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Hatte leider Kork, darunter verbarg sich aber ein großartiger Wein mit toller Mineralität.
1977 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Die Überraschung des Abends. Ein besserer 1977er Riesling ist mir noch nie begegnet: Weich, erstaunlich elegant, wunderschöner Trinkfluss, trotz grasiger Noten traumhafte Frucht. Auch der 1977er Frédéric Emile konnte überzeugen.
1974 Riesling Cuvée Frédéric Emile, Trimbach:
Auch hier erstauntes Aufmerken: Feines Birnen-Bouquet, etwas leichtgewichtig, aber saftig, unkompliziert und gleichzeitig seriöser Wein.
1985 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Der unbestrittene Star des Abends. Er hat alles und noch viel mehr. Verführerisch jugendlich klares Fruchtbouquet, grandiose Dichte, cremige Finesse, höchste Eleganz, Präzision, exzellente Länge. Dieses hohe Niveau wird noch sehr lange halten. Erinnert an den 1983er, der vor Jahren alles überstrahlte, in dieser Probe aber leider fehlte.
1982 Riesling Clos Ste. Hune, Trimbach:
Sicher auch im Elsass ein regen- und ertragreiches Jahr. Trotzdem ein großartiger Wein, Feuersteinaromen, feine Würze, Schmelz, toll gereift und jetzt ein Hochgenuss.
1989 Gewurztraminer Selection de Grains Nobles, Trimbach:
Während das 1983er Pendant zu trocken und der 2001 recht dick wirkte, zeigte der große Jahrgang 1989 hier alle seine Vorzüge: Hochfeines, sauberes Bouquet, Honig, Rosen, getrocknete Früchte, am Gaumen sehr komplex, große Klasse, dichte, aber keineswegs dickflüssige Süße, nahezu perfekte Harmonie.
1971 Gewurztraminer Mambourg Cuvée Centenaire, Pierre Sparr:
Keinerlei erkennbare Alterstöne, verführerisches, strahlend klares Traminer Bouquet, feinste Süße, tolle Aromatik und Länge. Fantastischer Wein.

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