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Château Lafleur im Rheingau

Das Rheingauer Gourmet Festival (www.rheingau-gourmet-festival.de) ist seit etlichen Jahren eine feste Größe im kulinarischen Kalender der Region. In diesem Jahr hatten wir uns mit zwei Veranstaltungen beteiligt, die beide am vergangenen Sonntag stattfanden. Wie Sie wissen sind wir einer von weltweit drei Händlern, die direkt von Château Lafleur in Pomerol beliefert werden. Sie können sich vorstellen, wie stolz wir waren, dass wir Sylvie und Jacques Guinaudeau dazu bewegen konnten, ihre Weine hier im Rheingau zu präsentieren.

Hier meine persönlichen Verkostungsnotizen zu den zehn Weinen, die am Sonntagnachmittag im Saal der Georg-Müller-Stiftung in Hattenheim zur Probe bereitstanden:

 

Château Grand Village, Bordeaux Supérieur

Grand Village ist seit dem 17. Jahrhundert im Familienbesitz der Guinaudeaus und wird von der Equipe, die auch für die Weinberge von Lafleur verantwortlich ist, betreut. Unter der „einfachen“ Bordeaux Superieur Appellation erzeugen sie mit viel Aufwand Weine, die sich qualitativ mit etlichen klassifizierten Weinen der bekannteren Appellationen messen können. Seit dem Jahrgang 2003 sind die Weine durch rigorosere Mengenbeschränkung nochmals besser geworden. Es sind Weine für mehr als nur jeden Tag, hier finden Sie Bordeaux, bei dem das Preis-Freude Verhältnis stimmig ist.

2005er: Nase noch verhalten, am Gaumen würzig, etwas Vanille, derzeit stechen Säure und Tannine noch etwas hervor, doch darunter lauert schmeichelnde Frucht, der große Jahrgang ist erkennbar, er öffnet sich langsam. Mit ein, zwei Jahren Geduld wird man einen tollen Wein vorfinden.

 2004er: Bouquet noch dezent, florale Noten, Sauerkirsche. Mittlerer Körper, leichter als 2005, elegant, cremig, schon gut zugänglich, nicht besonders nachhaltig aber schon jetzt garantiert ein sehr charmanter Essensbegleiter.

 

Château Lafleur, Pomerol

2006er: Nase anfangs sehr verschlossen, Anklänge von dunklen Beeren, mittlerer Körper, dicht, elegant, sehr vielschichtige Frucht unter feinen Tanninen, noch ein weiter Weg, an dessen Ende er mit höchster Wahrscheinlichkeit jeden Kenner vor Demut niederknien lässt. Eine Stunde später: Er besitzt diese unnachahmliche Mischung aus Konzentration, Finesse und Frucht, Nase offener, Himbeerlikör, Tabak, feine Röstnoten, in den Anlagen findet sich alles für einen wahrhaft grandiosen Wein. Aus Jacques Guinaudeaus stets mit Bedacht gewählten Worten ließ sich heraushören, dass er diesen Wein sehr hoch einschätzt. Dem ist nichts hinzufügen.

 2004er: Ein Klassiker in der Entstehung, das Bouquet deutet sich im Moment mit verhalten likörigwürzigen Noten nur im Ansatz an. Am Gaumen komplex, eine gewisse zupackende Strenge liegt noch über der Frucht. Hier sind acht bis zehn Jahre Geduld gefragt, dann wird er beweisen, dass er zu den besten seines Jahrgangs gehört.

 2002er: Im Moment berührt er mich noch nicht, wahrscheinlich ist er gerade in einer schwierigen Phase, gerne würde ich ihn in fünf Jahren noch mal verkosten. Außer hellen Beeren, Tabak, einer mineralischen Benzinnote, die ich eher von großen Rieslingen kenne, gab er nichts preis, die Frucht ist verdeckt und ich wage kein Urteil, wann und wie viel da eines Tages durchkommt.

2001er: Explosives, exotisches und voll geöffnetes Bouquet, duftet sehr modern nach Kaffeelikör, und obwohl Lafleur nie mehr als 40% neues Holz einsetzt zeigte er deutliche Röstnoten, die allerdings äußerst verführerisch, ohne aufdringlich zu sein. An diesem Tag sehr kalifornisch, mit einem hohen

Maß an Eleganz und Finesse. Die gerundeten Tannine ließen der Frucht freien Lauf und sorgten für großes Trinkvergnügen. Ich muss aber anmerken, dass sich eine andere Flasche am Montagabend während unserer großen Lafleurprobe in unserem Salon in Geisenheim deutlich strenger und verschlossener präsentierte. Entweder lange dekantieren oder ein paar Jahre warten.

2000er: Wie nähert man sich unbefangen einem Wein, der von Parker mit 100 Punkten geadelt wurde? Die Erwartungshaltung kann ja höher kaum sein. Beim ersten Hineinriechen ins Glas strömen mir die Aromen schon so verheißungsvoll entgegen, dass ich es so empfinde, als würde ich tatsächlich mit dem Kopf komplett darin eintauchen. Obwohl ich mich allein damit schon stundenlang beschäftigen könnte, kann ich es kaum erwarten, den ersten Schluck zu nehmen. Wahrhaft mundfüllend tapeziert er meinen Gaumen aus, das Verhältnis von reifer Frucht und edelsten Tanninen befindet sich im absoluten Gleichklang. Perfektion wie bei den größten 1982er Weinen, kaum vorstellbar wie gut der 2000er wohl erst in zehn Jahren sein muss, aber dann wird wohl abgesehen
von Auktionen keine Flasche mehr davon aufzutreiben sein. Unvergessliches Erlebnis.

1999er: Kompaktes, geöffnetes Bouquet, der einzige Lafleur dieser Probe, der unbestritten sein erstes Reifestadium erreicht hat. Am Gaumen dicht, vielschichtige Fruchtnoten, Würze, mittlerer Körper, elegante Art, einziges Unrecht, was man diesem Wein antun kann ist, ihn nach einem Schluck 2000er zurückzuprobieren. Der 1999er bestätigt seinen Ruf als einer der Top-Weine des Jahrgangs.

1998er: Hier streiten sich die Geister, denn auf dem Papier stehen die besten 1998er aus Pomerol den 2000ern in nichts nach. Zahlreiche Stimmen kritisieren den 1998er Lafleur, und darauf angesprochen erklärt Jacques Guinaudeau in seiner immer offenherzigen, ehrlichen Art, was er sich bei seinem 1998er anders gewünscht hätte. Der Lesezeitpunkt der Cabernet Franc Trauben war in seinen Augen nicht optimal, aber das wüsste man halt immer erst nachdem die gesamte Lese beendet sei. Mein Eindruck an diesem Nachmittag: Sehr verführerische, klassische Nase, wunderschön, etwas likörig, am Gaumen sind Säure und Tannine noch sehr präsent, aber die innere Harmonie des Weins stimmt, wer genügend Geduld hat, wird eines Tages den Beweis führen können, dass der 1998er viel größer ist, als er jetzt scheint. Die Flasche am Montagabend war auch hier deutlich strenger und verschlossener. 10 Jahre warten wäre meine Empfehlung.

1995er: Die meisten Gäste zogen den 1995er dem 1998er vor, ich wage kein Urteil, der 1995er hat für mich ebenfalls alle Anlagen zu einem Ausnahmewein. Er ist so dicht, so kraftvoll und nachhaltig, und dabei doch überaus elegant und ausgewogen, dass man ihn auf jeden Fall kaufen sollte. Im Moment kommt seine Frucht nur sehr zart durch, Leder- und Tabaknoten halten derzeit das Feld. Wie gehabt, Geduld ist gefragt, mindestens fünf, lieber zehn Jahre.