Bürklin-Wolf im November 2018

Zu Besuch im Weingut Dr. Bürklin-Wolf

Mitte November nahm ich mir eine kleine Auszeit, um nach Wachenheim in die Pfalz zu fahren. Im Gegensatz zum quirligen Deidesheim, wo zahlreiche erstklassige Unterkünfte, Restaurants und eine Altstadt mit restaurierten, stattlichen Häusern aus vergangenen Epochen locken, wirkt Wachenheim etwas verschlafen. An jenem neblig-trüben Donnerstag Mitte November kam mir die Innenstadt in der Mittagszeit fast wie ausgestorben vor. Das einzige auffindbare Kaffeehaus öffnete erst um 15.00 Uhr. Im kleinen Blumengeschäft von Iris Diehl in der Ringstraße werden zum Glück nebenher ebenfalls Kaffee und Gebäck serviert. Gestärkt von einem richtig guten Stück Apfelkuchen steuerte ich das Ziel und den eigentlichen Grund für meine Reise an:

Weingut Dr. Bürklin-Wolf                 

Wir arbeiten bereits seit Jahren erfolgreich mit diesem renommierten Spitzenweingut zusammen. Hier blickt man auf Weinbauhistorie bis ins Jahr 1597 zurück. Die momentan im Ertrag stehenden 85 ha Weinberge liegen im nördlichen Teil der Pfalz, der Mittelhaardt. Hier, in den großen Lagen von Wachenheim, Deidesheim, Forst und Ruppertsberg regiert der Riesling. Schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts erfreuten sich die Weine aus diesen Orten weit über die Landesgrenze hinaus großer Nachfrage. Tatkräftig mitverantwortlich war Dr. Albert Bürklin, der 1908 im Streben nach höchster Qualität als Gründungsmitglied den Verein der Naturwein-Versteigerer der Rheinpfalz ins Leben rief.

Seit 1990 leitet Bettina Bürklin-von Guradze die Geschicke des Weinguts. Unter ihrer Führung wurde 1994 eine Lagenklassifizierung vorgenommen, die auf der königlich-bayrischen von 1828 basiert. In Anlehnung an das Burgund tragen die besten Lagen ein „G.C“. (für Grand Cru) oder „P.C.“ (für Premier Cru) auf dem Etikett. Parallel wurde die Schatzkammer des Weinguts mit den Crus des jeweils aktuellen Jahrgangs aufgestockt. Erstens soll dieses flüssige Archiv bei Proben die außergewöhnliche Reifefähigkeit der Weine belegen, zweitens sollen zum Zeitpunkt der Trinkreife kleine Mengen an ausgewählte Händler und Gastronomen abgegeben werden. WeinArt wird im Januar 2019 eine Schatzkammer-Zuteilung erhalten, auf die wir Sie schon jetzt hinweisen möchten.

Ab 2001 begann man konsequent Weinberg für Weinberg auf biodynamischen Anbau umzustellen. 2008 erfolgte die Zertifizierung. Als erstes nicht-französisches Weingut wurde Dr. Bürklin-Wolf Mitglied in den Verband BIODYVIN aufgenommen.

Diese bis ins Detail durchdachte Naturnähe ist nicht nur gewissenhafter Umwelt- sondern letztendlich auch Menschenschutz. In vorbildlicher Weise spiegeln sich in sämtlichen Bürklin-Wolf-Weinen die Unterschiede der einzelnen Weinlagen wieder.

Folgende Weine habe ich am 15.11.2018 in der Vinothek des Weinguts verkostet:

2017 Wachenheimer Riesling QbA trocken

Dezente Blütenaromen, Kalk, sehr schön ausgeprägte Frucht, elegant, verspielt, feine Säure.

2017 Deidesheimer Riesling QbA trocken

Intensiver im Duft, vegetale Noten, dazu Zitrus, exotische Früchte, sehr elegant, gut gelungen, hauptsächlich aus der Lage Maushöhle.

2017 Ruppertsberger Riesling QbA trocken

Deutlich zurückhaltender im Duft, würzig, Bienenwachsnoten, komplex, dicht und charaktervoll, die Frucht wird sicher in einigen Monaten hervorkommen. Bietet insgesamt sehr viel mehr als man erwarten darf.

2017 Wachenheimer Böhlig P.C. Riesling QbA trocken

Mineralität, intensive Kalkaromen, darunter Zitrus, verspielt, Finesse, gute Spannung, präzise Frucht, sehr gut.

2017 Wachenheimer Goldbächel P.C. Riesling QbA trocken

Noch deutlichere Betonung auf Frucht, viel Zitrus, die Mineralität mehr im Hintergrund, insgesamt weicher, schmeichelnder, elegant und gute Länge.

2017 Wachenheimer Altenburg P.C. Riesling QbA trocken

Vegetales Bouquet, Würze, darunter Zitrus, geradlinig, sehr präzise, feine Frucht, anregende, feine Säure, elegant und spannend. Hervorragend.

2017 Wachenheimer Gerümpel P.C. Riesling QbA trocken

Intensive, kräftig mineralisch-streng duftende Nase, dazu gelbe Früchte, eher körperreich, gute Frucht und Länge, eher saftiger als fein. Braucht Zeit.

2016 Deidesheimer Langenmorgen G.C. Riesling QbA trocken

Sehr klare, strahlende Zitrusfrucht Aromen, viel Frucht, sehr markante Frucht, absolut präziser Riesling, schlank, elegant mit sehr gutem Potential.

2015 Ruppertsberger Gaisböhl G.C.  Riesling QbA trocken

Erste Reife schon im Bouquet, hier zeigt sich gleich der große Jahrgang, hochmineralisch von Anfang an, kühle Frucht, kalkig, dicht, würzig und vielschichtig. Hohe Traubenreife spürbar, dazu Zitrusfrucht, spannungsreich, Schmelz, hat Klasse und bleibt lang. Hervorragend.

2015 Ruppertsberger Reiterpfad G.C.  Riesling QbA trocken     

Tritt animalisch-wild auf, auch hier viel Würze, dazu von Zitrus-Aromen untermalte Frucht, charaktervoll und komplex. Leichte Bitternote im Abgang, braucht noch sehr viel Zeit.

2015 Ruppertsberger Auslese

Verführerische, sehr reintönige Nase, die von Grapefruit dominiert wird, feine, perfekt abgepufferte Süße, die ebenfalls von Zitrusnoten geprägt ist. Sehr gut gemacht.

Am selben Abend besuchte ich noch das zum Weingut gehörende Restaurant Hofgut Ruppertsberg. Hier kommen ausschließlich Biozutaten auf den Tisch, in der Hauptsache aus der Region. Die Küche ist authentisch und von gehobener Qualität. Der Service ist überaus freundlich und kompetent. Hervorragende Weinkarte, bestückt mit zahlreichen gereiften Gewächsen von Dr. Bürklin-Wolf, aber auch von anderen namhaften Bio-Weingütern. Absolut stimmiges Konzept, ich habe mich dort sehr wohl gefühlt und der von mir ausgewählte 2008er Deidesheimer Hohenmorgen G.C. QbA trocken war von unglaublicher Güte. Er ist nach zehn Jahren perfekt trinkreif und trotzdem so frisch, dass man noch sehr lange Freude an ihm haben wird. Ein Paradebeispiel für höchste Weinbaukunst. Alle derzeit bei uns lieferbaren Weine finden Sie hier.

Weiterhin ist dem Hofgut Ruppertsberg noch ein Hofladen angeschlossen, der eine gute Auswahl der Produkte, die im Restaurant Verwendung finden, anbietet.

Am nächsten Morgen zeigte sich die Region von ihrer schönsten Seite, klare Luft und Sonne pur.

Bei einem Spaziergang durch die Weinberge Wachenheims konnte ich mich noch etwas mit der Geografie der einzelnen Lagen vertraut machen. In vielen Parzellen fanden sich noch „Wintertroller“, das sind Trauben, die sich im Spätsommer aus Seitentrieben entwickeln und in der Regel nicht gelesen werden.

Es wundert mich nicht, dass im wundervollen, reifen Jahrgang 2018 sogar die sonst sauren Wintertroller ungewöhnlich süß und wohlschmeckend sind. Wieder zurück im Rheingau erinnere ich mich jetzt an diese Trauben und freue mich auf die vielversprechenden 2018er Weine, die in den nächsten Jahren jeden Weinliebhaber verzücken werden.

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