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Arbois und das Jura, Natur und Genuss im Überfluss

Letzte Station unserer diesjährigen Frankreichreise:  Das Jura. 1993 verbrachte ich ein Schnupperwochenende in Arbois. Bereits damals hatte mich die Landschaft sehr beeindruckt und es war auch mein erster Kontakt mit den Weinen der Region: Dem in Frankreich sehr bekannten Crémant „Vin Fou“ von Henri Maire, den heimischen Rebsorten Trousseau, Poulsard und Savagnin, sowie dem Vin Jaune.

Arbois liegt ca. 500 km entfernt von Wiesbaden,  zählt weniger als 4.000 Einwohner, liegt auf 350 m Höhe über dem Meeresspiegel und ist umgeben von sanften Hügeln und Bergen. Wichtigster Wirtschaftsfaktor ist Weinbau, die Appellation Arbois umfasst ca. 850 ha. Rebfläche. Möglicherweise mit beeinflusst durch den Klimawandel sind die Weine aus dem Jura im Trend, auch Chardonnay und Pinot Noir bringen inzwischen überzeugende Ergebnisse, die preislich noch attraktiv sind. Burgundische Spitzengüter wie die von uns importierte Domaine Marquis d’Angerville haben sich schon im Jura eingekauft.  Ich freue mich, Ihnen in Kürze über die  Weine von Guillaume D’Angervilles Domaine du Pelican berichten zu können.

Zum Abschluß des Urlaubs wollten wir uns noch einmal richtig verwöhnen lassen. Erste Adresse für Gourmets und Weinliebhaber in Arbois ist:

Hôtel/Restaurant Jean-Paul Jeunet
9, rue de l’Hôtel de Ville
39600 Arbois
Tel.: +33 (0)3 84 66 05 67
reservation@jeanpauljeunet.com

Das Restaurant befindet sich im Erdgeschoss des Hotels. Zusätzliche sieben, etwas günstigere Zimmer gibt es ca. 200 m entfernt im Le Prieuré Notre Dame. Dort hatten wir ein ruhiges, geräumiges Zimmer, direkt neben der namensgebenden Kirche. Zum Glück wird das viertelstündliche Schlagen der Glocke nachts abgestellt. Morgens ab 6.00 Uhr benötigt man keinen Wecker mehr, diesen Service übernimmt die Kirche.

Wir hatten den Tisch für Samstagabend reserviert. Wie zu erwarten war das Restaurant ausgebucht, was aber keinerlei negativen Einfluss auf Geräuschpegel, Service oder Küche hatte. Wir wurden sehr freundlich empfangen und von Anfang an verwöhnt. Die Speisenkarte bot mehrere animierend klingende Menüs, dennoch entschieden wir uns, à la carte zu essen.

Die Weinkarte ist eher ein Buch. Betrachtet man lediglich die Weine aus dem Jura, ist der Begriff Enzyklopädie angemessen. Eine schier unglaubliche Vielfalt an regionalen Weinen, die ich allesamt nicht kannte. Hingegen spielen die Weine aus anderen Anbaugebieten Frankreichs lediglich eine kleine Rolle. Ich hatte nicht das Gefühl, etwas zu vermissen, zumal etliche Tropfen jenseits von Jura ziemlich wild kalkuliert waren. Einerseits beispielsweise ein „Schnäppchen“ wie der 2007er Musigny von J.F. Mugnier für 310 Euro (Marktpreis derzeit 500-800 Euro), andererseits ein überteuerter 1996er Sociando Mallet zu 320 Euro. Wir waren sehr neugierig auf die Jura Schätze. Meiner Meinung nach passt die Küche einer Weinbauregion oft am besten zu deren Rebsäften.

Das Restaurant Jeunet hat mit dem Sommelier Alain Guillou einen exzellenten Fachmann für Wein. Er wurde 2013 vom Gault Millau zum Sommelier des Jahres gekürt. Wir erklärten ihm, was wir zu speisen beabsichtigten. Auf die Frage, ob wir oxidativ ausgebaute Weine mögen, was wir verneinten,  fand er zielsicher eine passende Flasche. Zum Aperitif nahmen wir ein Glas Crémant du Jura Brut der Domaine Montbourgeau, 8 Euro pro Glas. Es muss nicht immer Champagner sein. Dieser Chardonnay ist knochentrocken, aromatisch, anregend, exzellent gemacht. Man bekommt Appetit und so soll es sein.

Als Vorspeise wählte ich Charlotte Kartoffeln mit Sommertrüffel und Spaghettis Parmentier, 44 Euro. Köstliches Kartoffelpüree mit einer Reihe von Trüffelscheiben. Unter dem Püree noch würzige kleine Fleischstückchen, die das Gericht zusätzlich bereicherten. Wunderbarer Anfang. Zum Hauptgang nahm ich einen Klassiker des Hauses: Poulette de Bresse mit Morcheln und Vin Jaune. Serviert in zwei Teilen, die gekochte kleine Keule mit einer Mousseline Sauce auf Basis von Vin Jaune und Morcheln, die Brust in Form eines Filet-Strangs, eingeritzt, mit heller Leber und Masala Gewürzen veredelt, dazu verschiedene Reissorten mit Kräutern verfeinert, 54 Euro. Sensationell, eine so verführerisch aromatische Sauce habe ich selten zuvor bekommen, am liebsten hätte ich die Sauciere leer getrunken, aber das gehört sich wohl nicht. Schade. Das Hühnchen aus der ans Jura angrenzenden Bresse Region, die für Geflügel berühmt ist, zart und schmackhaft. Wunderbar, auch wenn ich mich wiederhole.

Zu diesen beiden Gängen hatten wir einen 2005er Chardonnay Florine der Domaine Ganevat (50 Euro). Mit seinen feinen Röstnoten, ideal gereift, mittlerer Körper, einer Säure, die ihm zusätzliche Spannung verlieh machte er sich hervorragend. Eine echte Winzer Entdeckung, der ich bereits auf den Grund gegangen bin. Jean-Francois Ganevat hat lange an der Seite von Jean-Marc Morey im Burgund gearbeitet, bevor er 1998 in den elterlichen Betrieb zurückkehrte. Einem Burgunder stand dieser Wein in nichts nach. Vorzüglich.

Die Auswahl vom Käsewagen, 18 Euro glänzte mit zahlreichen regionalen Spezialitäten, die über die uns bekannten Sorten Comté und Morbier weit hinausgingen. Tadellos. Zum gereiften Comté passte der glasweise ausgeschenkte 2006er Chateau Chalon, 17 Euro, ohne Frage, aber die oxidative Stilistik wird mir wohl nie nahegehen, oder mich gar zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Obwohl die Portionen und die durchaus deftige, eher kalorienreiche Küche des Hauses sättigen, konnte ich angesichts der bisher erlebten Genüsse ein Dessert nicht ausschlagen. Als Liebhaber von allerlei Schokolade, kam „Chocolat & Tanaisie“, 18 Euro, gerade recht. Ich kann Ihnen zwar trotz Recherche nicht sagen, was Tanaisie ist, aber das Dessert war optisch und geschmacklich ein würdiger Abschluss eines genussreichen Abends.

Fazit: Das Restaurant Jeunet ist uneingeschränkt empfehlenswert und wir werden sicher eines Tages wiederkommen. Das Preis/Freude Verhältnis ist in jeder Hinsicht stimmig. Die beiden weiteren Abende verbrachten wir in folgenden Restaurants:

Le Caveau d’Arbois
3, route de Besancon
39600 Arbois
Tel.: 0033-3.84.66.10.70

Les Arcades
22, Grande Rue
39600 Arbois                                                                                                                                                                                                           Tel.: 0033-3.84.66.06.81

Beide empfehlenswert, preisgünstig, guter Service, das Les Arcades hat außerdem einen Innenhof. Regionale Gerichte, schnörkellos und einwandfrei. Ein renommierter Chocolatier findet sich ebenfalls: Maison Hirsinger, mitten im Zentrum von Arbois. Sehr guter Kaffee und alles was einen Nachmittag versüßt.

Freizeitaktivitäten: Im Office de Tourisme von Arbois erhält man für ein paar Euro eine Wanderkarte mit zahlreichen attraktiven Routen durch Weinberge und Wälder. Man findet sich gut zurecht, auch wenn der Plan nur auf Französisch erhältlich ist. Besonders schön fanden wir die Wanderung von Arbois nach Montigny Les Arsures, einige Aufnahmen sehen Sie in der Galerie unter dem Artikel.

10 km entfernt liegt Poligny, die „Hauptstadt des Comté“ mit entsprechend großer Auswahl an Geschäften. Sehr sehenswert: Château Chalon mit seinen Weinbergen. Grandiose Aussicht auf die Umgebung. Der Ausflug in die ebenso kleine Appellation L’Etoile hingegen lohnt sich nicht. Auf dem Weg dorthin kamen wir allerdings durch Baume-les-Messieurs, sicherlich zu Recht zu einem der schönsten Dörfer Frankreichs gewählt. Mehr haben wir in den knapp drei Tagen nicht geschafft, schließlich sollte es ja erholsam bleiben. Das Jura werden wir definitiv noch öfter bereisen.

Hans-Jürgen Teßnow
Hans-Jürgen Teßnow