2010 wurden 315 Millionen Flaschen Champagner erzeugt, im Bestand der Champagnererzeuger befanden sich per 31.07.2010 ca. 1,384 Milliarden Flaschen. Verkauft wurden 2010 ca. 319 Millionen Flaschen, davon 185 Mio. in Frankreich und ca. 13 Mio. Flaschen nach Deutschland. Deutschland liegt im Verbrauch nach Frankreich, England (35 Mio.) und den USA (16 Mio.) auf Platz vier. Alle Zahlen Stand Ende 2010. Die Fakten an sich helfen aber in keinster Weise, um dem Phänomen Champagner auf die Spur zu kommen.
Worin liegt nun dieser spezielle Reiz, den kein anderer Wein oder Schaumwein der Welt auslösen kann? Hier ist mein höchst subjektiver Versuch, das Gefühl zu beschreiben, den ein guter Champagner bei mir hervorruft:
Champagner, das ist wenn:
Mitten in der Nacht der erste Vogel anfängt zu singen;
morgens im Schlafzimmer der erste Sonnenstrahl durch die Vorhänge dringt und man weiß, es ist Wochenende;
im August abends die Sternschnuppen fallen;
man auf der Fahrt in den Urlaub zum ersten Mal das Meer sehen kann;
man zaghaft einen Fuß in die kühle See setzt oder barfuß durch das mit Morgentau benetzte Gras spaziert;
ein vertrauter Duft aus der Kindheit die Nase streift;
man die erste reife Himbeere im Garten probiert;
nach einem kräftigen Regenguß die Wolkendecke aufreißt und sich ein Regenbogen zeigt;
ein längst verloren geglaubter Freund plötzlich anruft.
Aber auch wenn: Man hört wie das Herz seiner Liebsten pocht oder sie umarmt auf dem Sofa einschläft;
man spürt, wessen High Heels da auf dem Parkett klacken.
Ebenfalls: Ein eindeutiger Blick der sagt: “Komm’ näher, Fremder“;
das „frou-frou“ Rascheln von Seide auf nackter Haut;
wenn sich das letzte Häkchen öffnet.
Falls Ihnen das alles reichlich verrückt vorkommt, könnte Ihnen öfter mal ein Gläschen Champagne Bollinger nicht schaden. Prost!
Hans-Jürgen Teßnow im August 2011